Noch einmal die Taschen packen – vier Herbsttage zwischen Weser und Aller

Unsere viertägige Radtour an Weser und Aller war der richtige Abschluss der Reisesaison: noch einmal die Taschen packen und direkt vor der Haustür in Hameln starten. Ohne Anreise mit Auto oder Bahn führte uns die Runde über das Steinhuder Meer und Loccum nach Verden, entlang der Aller nach Celle und über Hannover zurück nach Hause.

Aus den geplanten Tagesetappen von etwa 80 bis 90 Kilometern wurden an drei Tagen fast 100. Trotzdem blieb Zeit für Mittagspausen, Kloster und Dom, gutes Essen und gemütliche Abende. Dazu kamen Morgennebel, in der Sonne glitzernde Tautropfen und ein Mittagessen im Freien – schöne Herbstmomente, für die sich das erneute Packen der Fahrradtaschen gelohnt hat.

Unsere Radtour an Weser und Aller auf einen Blick

Vier Tage mit den E-Bikes, drei Übernachtungen und Start und Ziel direkt vor der Haustür in Hameln.

DatumEtappeStreckeHöhenmeter bergauf
3. OktoberHameln – Steinhuder Meer – Loccum81,4 km430 m
4. OktoberLoccum – Weserradweg – Verden94,1 km120 m
5. OktoberVerden – Schwarmstedt – Celle99,2 km120 m
6. OktoberCelle – Hannover – Hameln98,0 km350 m
Gesamt372,7 km1.020 m

Übernachtet haben wir im Hotel Rode in Loccum, in Thöles Hotel am Allerpark in Verden und im Althoff Hotel Fürstenhof in Celle.

Von der Hamelquelle ans Meer – unser erster Tag

Beim Losfahren in Hameln lag noch Nebel über dem Wesertal. Wir machten uns Richtung Süntel auf den Weg, und oben auf den Höhen wurde es zunehmend heller und klarer. Über Holtensen, Unsen, Flegessen und Klein Süntel fuhren wir auf Bad Münder zu, ließen die Stadt aber rechts liegen.

Wer den Süntel auf einer kürzeren Runde ab Hameln erkunden möchte, findet in meinem Bericht über die E-Bike-Tour zum Süntelturm eine passende Anregung.

In Hamelspringe machten wir einen Halt an der Hamelquelle. Die Hamel gibt unserer Heimatstadt ihren Namen und mündet dort in die Weser. Im Hamelner Stadtbild fällt der kleine Fluss allerdings kaum auf – umso interessanter war es, einmal seinen Ursprung zu besuchen.

Anschließend führte unsere Strecke über Schmarrie nach Lauenau und weiter über Rodenberg, Bad Nenndorf und Haste. Schon von Weitem sahen wir den weißen „Kalimandscharo“, die weithin sichtbare Kalihalde des ehemaligen Werks Sigmundshall bei Bokeloh. Nun rückte unser erstes großes Zwischenziel näher: das Steinhuder Meer.

Im Schweers-Harms-Fischerhus hatten wir für 12:30 Uhr einen Tisch reserviert. Die Sonne schien, und es war warm genug, um draußen zu essen. Bei Aal und Zander aus dem Steinhuder Meer gönnten wir uns eine ausgiebige Mittagspause. Anfang Oktober noch draußen sitzen und anschließend einfach weiter in den Urlaub radeln – so hatten wir uns den Saisonabschluss vorgestellt.

Danach ging es am Ost- und Nordufer des Steinhuder Meeres entlang nach Mardorf und zur Weißen Düne mit ihrem Sandstrand. Anschließend führte uns der Weg über Winzlar weiter nach Bad Rehburg.

Besonders interessant finde ich die Geschichte der ehemaligen Kuranlagen, die heute unter dem Namen „Romantik Bad Rehburg“ bekannt sind. Hier suchte einst sogar das hannoversche Königshaus Erholung. Königin Friederike reiste 1840 gemeinsam mit König Ernst August und großem Gefolge an. Der Kurort trug damals den Beinamen „Madeira des Nordens“.

Die Geschichte des Bades verlief allerdings keineswegs geradlinig: Als die Heilquelle versiegte, setzte man auf Molkekuren. Später dienten die Gebäude als Altenheim, danach drohten sie zu verfallen. Erst eine aufwendige Sanierung rettete die Anlage; 2003 wurde sie als „Romantik Bad Rehburg“ wieder eröffnet. Eine wechselvolle Geschichte, die diesen Ort für mich besonders spannend macht.

Am Dinopark in Münchehagen vorbei ging es schließlich nach Loccum, wo wir unser Quartier im Hotel Rode bezogen. Anschließend besichtigten wir die Klosterkirche und den Kreuzgang. Besonders der Kreuzgang hat mir gefallen – für mich ein schöner Abschluss unserer ersten Tagesetappe.

🏛️ Kloster Loccum – fast 900 Jahre Geschichte

Die Geschichte des Klosters Loccum begann 1163: Graf Wilbrand von Hallermund stiftete Land für eine neue Klostergründung. Aus dem thüringischen Volkenroda kamen Abt Ekkehard und zwölf Zisterziensermönche nach Loccum und gründeten hier ihre Gemeinschaft. Aus diesen Anfängen entwickelte sich eine Klosteranlage, deren mittelalterliche Gestalt bis heute in großen Teilen erhalten geblieben ist.

Den Mittelpunkt bildet die Klosterkirche. Ihre Architektur erzählt vom Ideal der Zisterzienser, ein schlichtes und auf den Glauben ausgerichtetes Leben zu führen. Anstelle eines mächtigen Kirchturms besitzt sie einen Dachreiter – einen kleinen Turm auf dem Kirchendach, der als Zeichen der Bescheidenheit gedacht war.

Besonders eindrucksvoll ist der Kreuzgang mit seinem quadratischen Innenhof. Er bildete das innere Verbindungsnetz des Klosters: Von hier gelangten die Mönche zur Kirche, zum Schlafsaal, zum Speisesaal und zum Kapitelsaal. Die geschützten Gänge gehörten damit ganz selbstverständlich zu ihrem täglichen Leben.

Im angrenzenden Kapitelsaal kam die Gemeinschaft zusammen. Hier wurde aus der Ordensregel des heiligen Benedikt vorgelesen, und hier besprachen die Mönche die Angelegenheiten des Klosters. Der Kreuzgang erschließt deshalb bis heute nicht nur die Gebäude, sondern macht auch nachvollziehbar, wie eng Gebet, Gemeinschaft und Alltag miteinander verbunden waren.

  • 1163: Gründung durch Zisterziensermönche aus dem Kloster Volkenroda.
  • 1593: Abt, Prior und Konvent bekennen sich zum evangelisch-lutherischen Glauben. Das Kloster besteht als evangelische Gemeinschaft weiter.
  • 1820: Einrichtung des Predigerseminars – die Ausbildung angehender Pastoren wird zu einer dauerhaften Aufgabe des Klosters.
  • 2017 bis 2021: Umfangreiche Sanierung und Modernisierung der Anlage für ihre heutige Nutzung.

Auch heute wird in Loccum gelernt, gebetet und Gemeinschaft gelebt. Im Predigerseminar bereiten sich angehende Pastorinnen und Pastoren aus Niedersachsen und Bremen auf ihren Beruf vor. Gottesdienste, Musik und Begegnungen gehören ebenso zum Klosterleben. Über den Pilgerweg Loccum–Volkenroda ist das Kloster außerdem wieder mit seinem historischen Mutterkloster in Thüringen verbunden.

Zum Selbstverständnis des Klosters passt sein alter Leitspruch: „Das Tor ist offen, das Herz umso mehr.“

👉 Mehr zur Geschichte des Klosters Loccum

Zurück im Hotel gönnten wir uns noch ein Bier auf der Veranda, bevor es zum Abendessen ging. Vom Süntel über das Steinhuder Meer bis zum Kloster Loccum hatten wir an diesem ersten Tag schon einiges gesehen – und noch drei weitere Tage auf dem Rad vor uns.

Übernachten und genießen: Hotel Rode in Loccum

Das Hotel Rode hat uns mit dem Charme vergangener Jahrzehnte empfangen. Die Einrichtung ist etwas in die Jahre gekommen – besonders das moosgrüne Badezimmer blieb uns in Erinnerung. Für unser Doppelzimmer mit Frühstück zahlten wir 149 Euro. Gemessen an der Ausstattung empfanden wir den Preis als recht hoch.

Auch das Abendessen erinnerte uns an die Küche der 70er- und 80er-Jahre: eine Grillpfanne mit reichlich Bratkartoffeln, dazu Erbsen und Möhren. Bodenständige Kost, bei der wir uns eine frischere Gemüsebeilage und etwas mehr Raffinesse gewünscht hätten.

Sehr gut gefallen hat uns dagegen das Frühstück. Besonders die frische Wurst vom Fleischer war ein Pluspunkt und sorgte für einen guten Start in den nächsten Radtag. Das Personal war durchweg sehr freundlich und zuvorkommend. Auch für unsere E-Bikes war gut gesorgt: Sie standen in der Garage, wo wir die Akkus an einer Steckdose laden konnten.

Trotz der etwas betagten Ausstattung haben wir uns im Hotel Rode wohlgefühlt. In Erinnerung bleiben uns vor allem die freundliche Betreuung, das sehr gute Frühstück und das gemütliche Bier auf der Veranda. Beim Preis-Leistungs-Verhältnis hätten wir uns angesichts des Zimmerpreises allerdings etwas mehr gewünscht.

Mit Morgennebel und Weserfähre nach Verden

Nach dem guten Frühstück im Hotel Rode brachen wir früh auf – es dürfte gegen 8:30 Uhr gewesen sein. Die Sonne schien bereits, stellenweise hing noch etwas Nebel über der Landschaft. So begann unser zweiter Tourtag, der uns von Loccum nach Verden führen sollte.

Zunächst ging es hinunter ins Wesertal nach Schlüsselburg. Dort trafen wir auf den Weser-Radweg, dem wir nach Nienburg folgten. Bei Nienburg denke ich natürlich auch an den Nienburger Spargel. Für den waren wir im Oktober allerdings einige Monate zu spät unterwegs.

Nach dem Abstecher zum Steinhuder Meer am Vortag gab nun die Weser die Richtung vor. Wir radelten weiter nach Drakenburg und legten dort unsere Mittagspause im griechischen Restaurant Ephesus am Weserwehr ein.

Anschließend ging es zur Weserfähre Schweringen. Ihre Betriebszeiten hatten wir vorsichtshalber schon vor der Reise telefonisch erfragt: An diesem Wochenende fuhr sie noch durchgehend von 10 bis 18 Uhr. Das passte gut zu unserer Planung, und wir konnten mit den Rädern auf die andere Flussseite übersetzen. Eine kleine Unterbrechung der Fahrt, bei der wir die Weser einmal vom Wasser aus erleben konnten.

Die nächste Station war Hoya. Von dort führte uns die Strecke weiter über Weser und Aller bis nach Verden, unserem Tagesziel. Im Thöles Hotel am Allerpark bezogen wir unser Zimmer für die zweite Nacht.

Vor dem Abendessen besichtigten wir noch den Verdener Dom. Er war wirklich sehenswert, und auch hier gab es einen Kreuzgang zu entdecken. Nachdem mir dieser schon im Kloster Loccum besonders gefallen hatte, war das eine schöne Fortsetzung unserer Besichtigungen.

Anschließend ging es zu Pades, wo wir für den Abend einen Tisch reserviert hatten. Dort ließen wir unseren zweiten Tourtag ausklingen – nach einem sonnigen Tag an der Weser, einer Fährüberfahrt und einem sehenswerten Abschluss in Verden.

Übernachten und genießen: Thöles und Pades in Verden

Mit Thöles Hotel am Allerpark hatten wir für unsere zweite Nacht ein modernes Haus mit solidem Drei-Sterne-Komfort gewählt. Unsere Fahrräder standen in einem separaten Fahrradraum, in dem wir auch die Akkus laden konnten. Da nur wenige Räder dort untergebracht waren, reichten die vorhandenen Steckdosen aus – bei uns klappte alles problemlos.

Das Frühstück am nächsten Morgen war in Ordnung. Alles Wesentliche war vorhanden, und die Auswahl entsprach dem, was wir von einem Hotel dieser Kategorie erwarten. Ohne besondere Höhepunkte, aber eine solide Grundlage für den nächsten Radtag.

Zum Abendessen ging es nach unserem Dombesuch zu Pades. Hier konnten wir erleben, wie gut professionelle Küche und aufmerksamer Service zusammenspielen. Beides hat uns überzeugt und den Abend zu einem besonderen Abschluss unseres Radtages gemacht.

Hinter dem Restaurant steht Wolfgang Pade, der sein Haus 1992 eröffnete und über viele Jahre einen Michelin-Stern hielt. Später änderte er das Konzept und verabschiedete sich bewusst von der klassischen Sternegastronomie. Der handwerkliche Anspruch blieb: Seine Küche orientiert sich an der Saison und verbindet unterschiedliche internationale Einflüsse mit eigenen Ideen.

Für uns zeigte sich die Qualität nicht nur auf dem Teller, sondern ebenso in der Bedienung. Nach einem langen Tag auf dem Rad war es schön, sich an den Tisch zu setzen und so gut umsorgt zu werden. Pades blieb uns als ein ausgesprochen gelungener Restaurantbesuch in Erinnerung.

Tautropfen und alte Bahntrassen – an der Aller nach Celle

Unser dritter Tourtag begann mit einer Morgenstimmung, wie sie zum Altweibersommer gehört. Das Gras war noch nass, und die Wassertropfen funkelten in der Sonne. Vor uns lag die lange Etappe von Verden nach Celle, für die wir dem Aller-Radweg folgten.

Die Strecke orientierte sich am Lauf des Flusses, ohne ständig direkt am Ufer zu verlaufen. Immer wieder öffnete sich der Blick auf die Aller. Dazwischen wechselten sich Wiesen, Felder und Waldstücke ab – eine abwechslungsreiche Landschaft, durch die es sich angenehm radeln ließ.

Nicht alle Wege waren asphaltiert, meistens aber gut zu fahren. Teilweise führte uns die Route über die Trasse der ehemaligen Allertalbahn. Wo früher Züge unterwegs waren, rollten wir nun auf unbefestigten Wegen durch Wälder und Wiesen. Gerade diese Abschnitte machten die Fahrt für uns abwechslungsreich.

Unsere Mittagspause legten wir in Schwarmstedt bei einem Italiener ein, der einen Mittagstisch anbot. Das Restaurant lag in einem Einkaufsbereich mit Supermärkten und weiteren Geschäften – eher eine praktische Adresse für unterwegs als ein idyllischer Platz am Fluss. Für unsere Pause auf der langen Tagesetappe passte es gut.

Anschließend ging es weiter Richtung Celle. Gegen 16:20 Uhr erreichten wir den Fürstenhof, unser Quartier für die letzte Nacht der Reise.

Für Celle hatten wir das Althoff Hotel Fürstenhof gewählt. Das Fünf-Sterne-Hotel liegt am Rand der Altstadt und hat selbst eine lange Geschichte: Sein historisches Hauptgebäude ist ein barockes Palais, das vor dem drohenden Abbruch gerettet und 1970 als Hotel eröffnet wurde.

Übernachten und genießen: der Fürstenhof in Celle

Für unsere letzte Übernachtung hatten wir das Althoff Hotel Fürstenhof gewählt. Fünf Sterne, ein historisches Palais und dazu das Bett+Bike-Siegel – das klang nach einem besonderen Abschluss unserer kleinen Radreise.

Von vorne wirkt das Haus wie ein überschaubares historisches Hotel. Wie groß es tatsächlich ist, entdeckt man erst dahinter: Im alten Palais befinden sich der Eingangs- und Barbereich, während sich rückwärtig der Frühstücksbereich und ein mehrgeschossiger Zimmertrakt anschließen. Die historische Fassade lässt diesen Umfang kaum vermuten.

Uns hat das nicht gestört. Der Einrichtungsstil zieht sich durch das gesamte Haus und passt zum historischen Charakter: klassisch, elegant und durchaus nobel. Auch in den neueren Gebäudeteilen blieb der Eindruck eines stimmigen Ganzen erhalten.

Etwas umständlicher war zunächst das Laden unserer E-Bikes. Die Räder konnten wir in der Tiefgarage abstellen, an den Stellplätzen fehlten jedoch Steckdosen. Also bauten wir die Akkus aus und übergaben sie samt Ladegeräten der Rezeption. Das Personal kümmerte sich um das Laden. Direkte Lademöglichkeiten bei den Rädern hätten wir praktischer gefunden, aber die Lösung funktionierte: Am nächsten Morgen waren beide Akkus zu 100 Prozent geladen.

Nach dem Einchecken setzten wir uns noch auf die Terrasse vor dem historischen Hotelteil und tranken etwas. Nach der langen Etappe war das ein angenehmer Moment zum Ankommen, bevor es zum Abendessen ging.

Dafür blieben wir im Haus und besuchten die cucina italiana Palio, die der Fürstenhof als einen der besten Italiener im Norden bewirbt. Die Gerichte waren professionell zubereitet, und auch der Service verstand sein Handwerk. Das Kaninchen war gut zubereitet, die Portion hätten wir uns allerdings etwas großzügiger gewünscht.

Im direkten Vergleich hatte uns Pades in Verden am Vorabend noch mehr überzeugt. Dort wirkte der gesamte Ablauf auf uns aufmerksamer und besser aufeinander abgestimmt. Allerdings war dort nach unserem Eindruck auch mehr Personal im Einsatz. Zudem empfanden wir die Zusammenstellung und Portionsgestaltung der Gerichte bei Pades als ausgewogener. So blieb das Palio für uns ein guter Restaurantbesuch, während Pades kulinarisch und im Service noch etwas stärker in Erinnerung blieb.

Anschließend gönnten wir uns einen Absacker in der Bar im historischen Teil des Fürstenhofs. Hier kam der besondere Charme des Hauses noch einmal richtig zur Geltung. Das hatte Flair und war ein schöner Ort, um den Abend ausklingen zu lassen.

Ein uneingeschränktes Highlight war das Frühstück am nächsten Morgen. Es ließ für uns keine Wünsche offen und war ein hervorragender Start in den letzten Tourtag. So verabschiedeten wir uns aus Celle mit einem sehr guten Frühstück im Bauch und vollständig geladenen Akkus.

Durch Hannovers Grün und zurück nach Hameln

Am letzten Morgen ließen wir es etwas ruhiger angehen. Wir hatten länger geschlafen und genossen das hervorragende Frühstück im Fürstenhof. Entsprechend kamen wir später los, drehten aber trotzdem noch eine kleine Runde durch die sehenswerte Celler Altstadt. Über den Großen Plan, vorbei am Alten Rathaus und am Schloss verabschiedeten wir uns von Celle.

Die Navigation machte uns an diesem Tag allerdings einen Strich durch die Rechnung. Auf dem Nyon wurde zwar der Track angezeigt, doch die gewohnten Abbiegehinweise und die verbleibenden Kilometer fehlten. Auch wiederholtes Neustarten und erneutes Laden der Tour halfen nicht. So mussten wir uns an der angezeigten Linie orientieren – das funktionierte, war aber deutlich weniger komfortabel als gewohnt.

Südlich von Celle verlief die Fahrt zunächst eher unspektakulär. Vor Altwarmbüchen führte uns die Route über den Alten Postweg, eine historische Verbindung zwischen Hannover und Celle. Das lange Kopfsteinpflasterstück ließ uns die Geschichte des Weges ziemlich unmittelbar spüren – ein glatterer Belag wäre uns hier lieber gewesen.

Vorbei am Altwarmbüchener See ging es Richtung Eilenriede. Mein Plan war, Hannover möglichst auf grünen Wegen zu durchqueren und den Stadtverkehr weitgehend zu umgehen.

Unsere Mittagspause machten wir im Restaurant Steuerndieb. Die Karte war gehobener, als wir es für eine Einkehr während der Radtour erwartet hatten. Wir entschieden uns für das Tagesmenü: Fisch, Fleisch oder eine fleischlose Variante standen zur Wahl, die genaue Zusammenstellung überließen wir der Küche.

Bei mir kam Ente auf den Tisch, die mir gut schmeckte. Auch insgesamt überzeugte uns das Menü, besonders das sehr gute Preis-Leistungs-Verhältnis. So wurde aus der Mittagspause ein schöner kulinarischer Zwischenstopp.

Auch der ungewöhnliche Name hat eine Geschichte: „Steuerndieb“ bedeutet „Steure dem Dieb“ – also sinngemäß „Wehre dem Dieb“. Hier befand sich einst ein bereits 1392 erwähnter Wachposten der hannoverschen Landwehr. Zu seinen Aufgaben gehörte es, die Holzentnahme aus der Eilenriede und den Warentransport zu kontrollieren. Die Wächter durften sich mit dem Ausschank von Getränken etwas hinzuverdienen. So verbindet dieser Ort schon seit Jahrhunderten die Geschichte des Stadtwaldes mit der Einkehr.

Anschließend führte uns die Route weiter durch die Eilenriede, am Döhrener Turm vorbei und zum Maschsee. Bis hierher ging mein Plan einer möglichst grünen Durchquerung Hannovers gut auf.

Danach wurde es deutlich weniger angenehm. Schon vor Hemmingen und weiter bis hinter Ronnenberg begleitete uns viel Verkehr. Die Radverkehrsführung in den Orten empfanden wir häufig als unbefriedigend. Vielerorts gab es lediglich Gehwege mit dem Zusatz „Radfahrer frei“. Auf die stark befahrene Straße auszuweichen, war für uns allerdings auch keine verlockende Alternative. Dieser Abschnitt gehörte eindeutig zu den weniger schönen Teilen unserer Reise.

Später wurde es wieder besser. Parallel zur B217 ging es über den Deister Richtung Springe und wieder auf eigenen, gut befahrbaren Wegen voran. Über Altenhagen und Hachmühlen führte uns die letzte Strecke schließlich durch Hastenbeck, Groß Hilligsfeld und Rohrsen zurück nach Hameln.

Gegen 17 Uhr waren wir wieder zu Hause – erschöpft, aber zufrieden. Die letzte Etappe hatte uns mit der widerspenstigen Navigation, dem Kopfsteinpflaster und dem Verkehr noch einmal gefordert. Trotzdem stand für uns fest: Diese vier Tage hatten sich gelohnt. Zum Saisonabschluss noch einmal mit gepackten Fahrradtaschen unterwegs zu sein, war eine gute Entscheidung gewesen.

Unser Fazit: Der Saisonabschluss hat sich gelohnt

372,7 Kilometer später standen die Räder wieder zu Hause. Wir waren müde, aber froh, noch einmal aufgebrochen zu sein. In vier Tagen hatten wir viel Abwechslung erlebt: das Steinhuder Meer, die Flusslandschaften an Weser und Aller, alte Bahntrassen, Kreuzgänge und Fachwerkstädte.

Auch die Pausen und Übernachtungen gehörten für uns zur Reise. In Erinnerung bleiben das Mittagessen in der Sonne in Steinhude, die freundliche Betreuung im Hotel Rode, der besonders gelungene Abend bei Pades und der Absacker in der historischen Bar des Fürstenhofs. Drei unterschiedliche Hotels, jedes mit seinen Stärken und kleinen Schwächen.

Nicht jeden Abschnitt würden wir genauso wieder fahren. Vor allem die Strecke südlich von Hannover bis hinter Ronnenberg würden wir bei einer neuen Planung genauer anschauen. Der viele Verkehr und die wenig angenehme Radverkehrsführung trübten dort das Vergnügen. Auch das Kopfsteinpflaster auf dem Alten Postweg und die ausgefallenen Navigationshinweise machten den letzten Tag anstrengender als nötig.

Das ändert aber nichts am Gesamteindruck: Unsere kleine Herbstreise war ein schöner Saisonabschluss. Sie hat uns wieder gezeigt, wie viel es auch auf einer Runde direkt ab der eigenen Haustür zu entdecken gibt.

Unsere Tour zum Nachfahren

Alle vier Etappen mit Streckenverlauf, Entfernungen und Höhenprofilen haben wir in einer Komoot-Collection zusammengestellt.

Die aufgezeichneten Strecken entsprechen unserer tatsächlich gefahrenen Route – einschließlich der im Bericht beschriebenen weniger angenehmen Abschnitte am letzten Tag.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert