Wenn ich eine Karte anschaue, entsteht vor meinem inneren Auge eine Landschaft. Ich sehe nicht nur Straßen, Wege und Ortsnamen. Ich kann mir vorstellen, wie eine Strecke durch ein Tal führt, wo das Gelände ansteigt und wie die Orte zueinander liegen. Manchmal habe ich das Gefühl, Karten regelrecht auswendig lernen zu können. Orientierung liegt mir. Auch bei meiner heutigen Radreiseplanung mit Komoot denke ich in vieler Hinsicht noch sehr analog.
Diese Art, auf eine Landschaft zu schauen, begleitet mich seit meinen Wanderungen mit dem Sauerländischen Gebirgsverein in den 1980er-Jahren. Beim SGV habe ich auch einen Radwanderführer-Lehrgang gemacht. Damals waren gedruckte Karten die Grundlage meiner Planung, unter anderem die Karten der Landesvermessungsämter in Niedersachsen im Maßstab 1:75.000. Ich beschäftigte mich mit dem Gelände, suchte Verbindungen und stellte meine Strecken selbst zusammen. Vieles von dem, was ich damals gelernt habe, hilft mir bis heute.
Gleichzeitig war ich immer technikbegeistert. Wenn sich neue Möglichkeiten boten, wollte ich sie ausprobieren. Dass irgendwann die Karte auf den Computer wanderte und ein Gerät am Lenker die Orientierung unterstützte, passte deshalb gut zu mir. Bis ich eine Kombination gefunden hatte, die sich für meine Radreisen bewährte, brauchte es allerdings einige Versuche.
Von der Papierkarte zur berechneten Route
Ein früher Schritt war die TOPO25 auf CD. Damit konnte ich topografische Karten am Computer nutzen. Später wurde ich auf QuoVadis aufmerksam. Die Software arbeitete ebenfalls mit topografischen Karten und bot mir die Möglichkeit, zwischen einem Start und einem Ziel eine Route berechnen zu lassen.

Das war interessant, hatte für mich aber einen entscheidenden Haken: Die berechneten Wege entsprachen häufig nicht dem, was ich mir für eine Radreise vorstellte. Es gab viele Verbindungen, die zum Wandern durchaus geeignet waren. Der Belag und die tatsächliche Befahrbarkeit mit dem Fahrrad wurden jedoch zu wenig berücksichtigt. Ein Weg konnte auf der Karte sinnvoll aussehen und sich unterwegs trotzdem als unpassend erweisen.
Ich hatte also eine digitale Planung, musste aber weiterhin genau hinschauen, was dabei herauskam. Gerade durch meine Erfahrung mit Karten und Landschaften hatte ich eigene Vorstellungen von einer guten Strecke. Ich wollte auf Wegen fahren, die zum Radreisen passten, und nicht bloß irgendeine Verbindung zwischen zwei Orten bekommen. Die Technik eröffnete neue Möglichkeiten, doch mit der Wegführung blieb ich oft unzufrieden.
Für die Navigation unterwegs nutzte ich verschiedene Garmin-Geräte. Besonders große Erwartungen hatte ich an das Monterra. Das Gerät basierte auf Android und sollte neue Möglichkeiten eröffnen. Für jemanden wie mich, der gern technische Entwicklungen ausprobiert, war das verlockend. In der Praxis war die Software für meine Bedürfnisse jedoch nicht ausgereift, und die erhoffte Weiterentwicklung blieb aus. Für mich war das Monterra eine Fehlentwicklung.

Es liegt übrigens heute noch bei mir im Regal. Wenn ich es sehe, denke ich daran, wie viel ich mir damals davon versprochen hatte. Ein nicht ganz preiswertes Erinnerungsstück an meine Technikbegeisterung und ihre gelegentlichen Enttäuschungen. Später war ich mit einem Garmin Edge an meinem Patria Ranger unterwegs. Garmin blieb also Teil meiner Ausrüstung, während ich bei der Planung nach einer besseren Lösung suchte.
Wie andere Radreisende mich auf Komoot brachten
Den entscheidenden Hinweis bekam ich in verschiedenen Radreisegruppen bei Facebook. Damals waren dort viele erfahrene Radreisende vertreten. Man konnte Fragen stellen und bekam ausführliche Antworten, praktische Tipps und Einschätzungen von Menschen, die selbst unterwegs waren. Dieser Austausch war für mich wertvoll, denn viele beschäftigten sich mit denselben Fragen wie ich.
Einige nutzten Komoot und berichteten von ihren Erfahrungen. So wurde ich auf die damals noch junge Plattform aufmerksam. Mich interessierte besonders der Ansatz, die Eignung der Wege für die jeweilige Aktivität stärker zu berücksichtigen. Belag und Befahrbarkeit waren schließlich genau die Punkte, die mich bei meiner bisherigen Planung störten.
Ich formuliere das bewusst vorsichtig: Komoot wollte diese Dinge berücksichtigen. Ob das überall gut funktionieren würde, musste sich erst zeigen. Für mich war es jedenfalls ein guter Grund, die Planung auszuprobieren.
Mein Einstieg war 2017 der Altmark-Rundkurs. Bei Komoot fand ich die fertige Route und passte sie so an, dass wir in Wolfsburg starten konnten. Das ging schon damals sehr gut. Ich musste die Reise nicht vollständig neu entwerfen, sondern konnte einen vorhandenen Rundkurs für unsere Bedürfnisse verändern. Anschließend übertrug ich die Strecke auf meinen Garmin. Ob das bei dieser ersten Reise über einen Export oder eine Schnittstelle lief, weiß ich heute nicht mehr genau. In Erinnerung geblieben ist mir, dass die Kombination funktionierte.
Eine der frühen Etappen führte uns am 29. April 2017 über gut 81 Kilometer von Wolfsburg nach Salzwedel. Danach ging es weiter nach Wittenberge. Ich war damals noch mit meinem Patria Ranger unterwegs.

Der Altmark-Rundkurs war allerdings kein Beweis dafür, dass von nun an jede Strecke wunderbar sein würde. Fahrbar war er, doch die Radinfrastruktur entlang unserer damaligen Reise überzeugte mich nicht überall. Die Planung konnte schließlich nicht verändern, wie ein Weg vor Ort beschaffen war. Aber es war ein Anfang: Ich hatte eine Reise gut vorbereiten, den Verlauf anpassen und die Strecke auf meinem Garmin nutzen können. Bei den weiteren Planungen wurde die Wegführung mit Komoot für mich deutlich besser. Deshalb blieb ich dabei.
Warum Komoot bald mehr als ein Planungswerkzeug war
Zur Vorbereitung kam etwas hinzu, das für mich auf Dauer mindestens ebenso wichtig wurde: Ich konnte meine Touren so abspeichern, wie ich sie tatsächlich gefahren war. Nach einer Reise blieb damit der wirkliche Verlauf erhalten. Seit 2017 habe ich bei Komoot alles dokumentiert, was ich gefahren bin.
Mit jeder Tour wuchs eine persönliche Sammlung. Ich konnte zurückschauen, Strecken wiederfinden und nachvollziehen, wo ich unterwegs gewesen war. Fotos und festgehaltene Eindrücke ergänzten die Aufzeichnungen. Mehrtägige Reisen ließen sich später in Collections zusammenfassen, sodass die einzelnen Etappen wieder als ganze Reise erkennbar wurden.
Dazu kamen die Gleichgesinnten. Schon der Austausch in den Facebook-Gruppen hatte mich weitergebracht. Bei Komoot fand ich ebenfalls Menschen, die gern mit dem Rad unterwegs waren, Strecken entdeckten und ihre Erfahrungen teilten. Damit hatte die Plattform für mich eine Bedeutung, die weit über eine berechnete Route hinausging.
2017 stellte ich das Schreiben auf meinem Blog ein und setzte ganz auf Komoot. Beim Blog waren auch technische Schwierigkeiten hinzugekommen, die mir die Arbeit daran erschwerten. Meine Touren dokumentierte ich weiter, nur eben an einem anderen Ort. Für einige Jahre kamen bei Komoot die Planung, die Aufzeichnung meiner Reisen und der Austausch mit anderen zusammen.
Wenn ich heute durch meine Historie schaue, sind diese Jahre deshalb keineswegs verschwunden. Dort liegen auch die Reisen, über die ich damals keinen ausführlichen Blogartikel geschrieben habe. Komoot hat für mich die Kontinuität bewahrt.
Wie sich meine Radreiseplanung mit Komoot verändert hat
Ich nutze Komoot heute anders als bei meinem Einstieg. Die Software entwickelte sich weiter, und ich passte meine Arbeitsweise Schritt für Schritt an. Dabei halfen mir vor allem die Möglichkeiten, Radrouten und Radnetze auf den Karten zu erkennen und die Eigenschaften einer Strecke genauer einzuschätzen.
Bei meiner Planung nutze ich unter anderem OpenCycleMap und die Fahrradkarte von Komoot. Dort finde ich viele der Strecken wieder, an denen ich mich gern orientiere: Radnetze der Bundesländer, Radfernwege und lokale Routen. Häufig passe ich meinen geplanten Verlauf daran an. Meine Erfahrung ist, dass solche ausgewiesenen Strecken meist gut fahrbar sind.

Meine Touren auf Komoot.
Maplibre | © komoot | Map data © OpenStreetMap Contributors
Mein früher erworbenes Kartenverständnis spielt dabei weiterhin eine Rolle. Ich schaue mir den Verlauf an und versuche, mir die Landschaft vorzustellen. Welche Verbindung wirkt interessant? Wo führt die Strecke durch einen Ort, wo durch ein Tal? Gibt es eine ruhigere Alternative? Besonders gern fahre ich auf Flussradwegen, ehemaligen Bahntrassen und wenig befahrenen Nebenstraßen.
Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Steigungen. Die kann ich in Komoot gut ablesen und beurteilen. Dabei geht es mir nicht darum, jeden Anstieg zu vermeiden. Ich möchte vorher einschätzen können, was mich erwartet. Besonders steile Anstiege und Abfahrten gehören nicht unbedingt zu meinen bevorzugten Strecken. Das Höhenprofil hilft mir, den Verlauf entsprechend anzupassen.
So hat sich mein Verhältnis zur digitalen Planung verändert. Anfangs ärgerte ich mich häufig darüber, dass eine berechnete Strecke meine Vorstellungen von einem guten Radweg zu wenig berücksichtigte. Heute habe ich deutlich bessere Möglichkeiten, geeignete Verbindungen zu finden und Vorschläge gezielt zu verändern. Meine Erfahrung und die Informationen auf dem Bildschirm greifen dabei ineinander.
Wie daraus eine ganze Radreise entsteht
Am Anfang einer neuen Reise steht bei mir trotzdem noch keine fertige Route. Meistens ist es eine Idee: eine Flusslandschaft, die ich kennenlernen möchte, eine Region oder mehrere Städte, die sich miteinander verbinden lassen. Schon diese Beschäftigung mit einer möglichen Reise macht mir Freude.
Dann beginnt die Recherche. Neben dem Internet nutze ich weiterhin klassische Radreiseführer, beispielsweise die Bikeline-Bücher. Sie geben mir Anregungen für Strecken, Orte und Sehenswürdigkeiten. Manchmal stoße ich dabei auf ein Ziel, das ich bei der reinen Kartenplanung übersehen hätte. Danach stelle ich den Verlauf in Komoot zusammen und arbeite ihn weiter aus.
Wenn die grobe Strecke steht, entstehen daraus die Tagesetappen. Meistens plane ich zwischen 70 und 90 Kilometer. Es können auch einmal 100 werden, etwa wenn sich am vorgesehenen Ziel keine passende Unterkunft findet. Die Kilometerzahl allein entscheidet aber nicht über eine gute Etappe. Ich möchte unterwegs Zeit haben, etwas von den Landschaften und Orten mitzubekommen.
In besonders sehenswerten Städten plane ich deshalb gern zwei Übernachtungen ein. Dann bleibt ein ganzer Tag für die Stadt. Manchmal lege ich eine Etappe auch so, dass ich schon gegen Mittag ankomme und noch Zeit für einen Rundgang oder eine Besichtigung habe. Diese Überlegungen gehören für mich von Anfang an zur Streckenplanung.

Bei der Unterkunftssuche nutze ich neben der allgemeinen Recherche auch Bett+Bike. Viele Quartiere buche ich über Booking.com, weil ich die Reservierungen einer Reise dort übersichtlich zusammenhabe. Besonders wichtig ist mir, wo mein Fahrrad über Nacht stehen kann. Mit meinem schweren und hochwertigen Reiserad möchte ich mich darauf verlassen können, dass es einen geeigneten, gesicherten Platz gibt. Wenn die Beschreibung einer Unterkunft dazu nichts Eindeutiges sagt, frage ich direkt nach.
Ein Beispiel dafür war ein Hotel in Elburg. Auf meine Anfrage erhielt ich eine genaue Beschreibung: Hinter dem Hotel gab es einen separaten Fahrradraum, der jederzeit mit der Zimmerkarte zugänglich war. Auch eine Lademöglichkeit für die Akkus war vorhanden. Mit einer solchen Auskunft konnte ich etwas anfangen.
Manchmal passt ein Quartier gut, liegt aber etwas außerhalb der vorgesehenen Strecke. Manchmal findet sich am geplanten Etappenziel nichts Geeignetes. Dann gehe ich noch einmal an die Route und verändere sie. Meine Reiseplanung besteht deshalb aus mehreren Schritten, die sich gegenseitig beeinflussen: die Wege, die Orte, die Zeit für Besichtigungen und die Übernachtungen. Komoot hilft mir, daraus eine fahrbare Strecke zusammenzustellen.
Unterwegs hat sich die Technik ebenfalls verändert
Ende 2021 wurde aus dem Patria Ranger mein Riese & Müller Supercharger 2. Damit änderte sich auch die Navigation. Heute nutze ich dafür das Bosch Nyon 2. Für dieses Gerät habe ich mich bewusst entschieden: Ich wollte eine richtige Karte am Lenker sehen, die sich mit meiner Position bewegt. So kann ich erkennen, wo ich bin und wie die Strecke weiterführt. Ein Smartphone möchte ich dort nicht haben.

Die Vorbereitung mache ich weiterhin mit Komoot. Anschließend übertrage ich die Strecken über Bosch eBike Connect auf das Nyon. Das funktioniert meistens gut. Schwieriger wird es, wenn ich unterwegs spontan etwas ändern muss. Geänderte Routen werden nicht immer zuverlässig synchronisiert. Gerade in einer Situation, in der ich schnell eine Alternative brauche, ist das ärgerlich.
Solche Erfahrungen erinnern mich daran, dass auch eine über Jahre bewährte Kombination ihre Grenzen hat. Nach meinen verschiedenen Garmin-Geräten und dem enttäuschenden Monterra erwarte ich heute vor allem, dass die Technik meine Reisen zuverlässig unterstützt. Die Karte auf dem Nyon entspricht meinen Vorstellungen weiterhin gut. Für mich gibt es deshalb derzeit keinen Anlass, alles wieder auszutauschen.
Fast zehn Jahre, auf die ich zurückschauen kann
Meine Tourenübersicht zeigt inzwischen 554 Touren und 35.039 Kilometer. Die Karte dazu ist für mich besonders anschaulich: Sie zeigt, in welchen Regionen ich in all den Jahren unterwegs gewesen bin. Hinter den Zahlen stehen einzelne Tage, längere Reisen und Wege, die ich selbst gefahren bin.

Maplibre | © komoot | Map data © OpenStreetMap Contributors
Auch die regionalen Experten-Abzeichen gehören inzwischen zu meinem Profil. Wenn ich mir die vielen Orts- und Regionsnamen anschaue, wird sichtbar, wie weit mich meine Touren geführt haben. Angefangen hatte das alles mit dem Versuch, den Altmark-Rundkurs an unseren Start in Wolfsburg anzupassen. Heute kann ich auf fast zehn Jahre dokumentierter Touren zurückblicken.
Seit einiger Zeit schreibe ich wieder ausführlicher auf meinem Blog. Die Gründe dafür habe ich in meinem Beitrag „Warum ich wieder schreibe“ beschrieben. Hier habe ich Raum für die Erlebnisse, Begegnungen und kleinen Beobachtungen einer Reise. Komoot bleibt dabei mein Werkzeug für die Planung und mein Archiv der gefahrenen Touren. Der Blog ist wieder der Ort, an dem ich mir Zeit nehme, davon zu erzählen.
Wenn ich heute eine neue Reise vorbereite, steckt darin vieles aus den vergangenen Jahrzehnten: das Kartenlesen aus meiner Zeit beim SGV, die Neugier auf technische Möglichkeiten, die Erfahrungen mit ungeeigneten Wegen und die Tipps anderer Radreisender. Meine Arbeitsweise hat sich verändert und wird sich vermutlich weiter verändern. Aber wenn ich auf eine Karte schaue und mir vorstelle, wie es dort wohl aussieht, ist mir dieses Gefühl noch genauso vertraut wie früher. Aus dieser Vorstellung entsteht die nächste Reise.
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