Sonniges Pfingstwetter, viel Betrieb auf dem Weserradweg und eine entspannte Mittagspause auf der Burgterrasse in Ottenstein. Die Feiertagstour führte über die Grohnder Fähre hinauf auf die Ottensteiner Hochebene und auf dem Rückweg noch einmal zur kleinen Kirche Hattensen und zur Geschichte von Antonio Congo.
Tourübersicht
Datum: 25. Mai 2026
Distanz: 54,8 km
Höhenmeter: ca. 300 m
Fahrzeit: 2:50 Stunden
Wetter: sonnig, bis 26 Grad
Route: Hameln – Weserradweg – Grohnde – Grohnder Fähre – Lüntorf – Ottenstein – Kirche Hattensen – Hehlen – Hameln
Einkehr: Restaurant Burg Ottenstein
Besonderheiten: Grohnder Fähre, Ottensteiner Hochebene, Burg Ottenstein, Kirche Hattensen und das Grab von Antonio Congo
Feiertagsstimmung auf dem Weserradweg
Schon am Vormittag zeigte sich der Weserradweg von seiner typischen Feiertagsseite. Bei sommerlichen Temperaturen um 26 Grad waren zahlreiche Radurlauber unterwegs. Besonders auffällig war dabei wieder einmal, dass die Fahrtrichtung nach Norden deutlich überwog. Fast alle Radreiseführer und Karten beschreiben den Weserradweg klassisch von Hann. Münden Richtung Nordsee und genau dieses Bild zeigte sich auch an diesem Pfingstmontag.

Viele der entgegenkommenden oder überholenden Radreisenden waren mit voll bepackten Rädern unterwegs. Immer wieder begegneten uns größere Gepäcksets, Reiseanhänger und klassische Mehrtagestourer, die offenbar bereits einige Etappen hinter sich hatten. Gerade rund um Grohnde merkte man schnell, dass nahe Etappenorte wie Bodenwerder oder Grohnde für viele Radurlauber eine wichtige Rolle spielen. Manche wirkten so, als seien sie erst am Morgen dort gestartet.
Mit der Grohnder Fähre über die Weser
In Grohnde erreichte die Tour schließlich die Weserfähre. Gerade an sonnigen Feiertagen gehört die kleine Überfahrt fast schon selbstverständlich zum Erlebnis auf dem Weserradweg dazu. Diesmal waren wir allerdings die einzigen Radfahrer auf der Fähre, obwohl dort sonst häufig mehrere Tourenräder gleichzeitig übersetzen.


Die heutige Grohnder Fähre verbindet Grohnde und Frenke bereits seit vielen Jahrhunderten. Nachdem die frühere Weserbrücke im Dreißigjährigen Krieg zerstört worden war, sicherte hier schon ab 1633 wieder eine Fähre die Verbindung über den Fluss. Die heutige Hochseilfähre stammt aus dem Jahr 1931 und wird als sogenannte Gierseilfähre allein durch die Strömung der Weser bewegt.
Direkt auf der anderen Weserseite liegt außerdem das Grohnder Fährhaus. Diesmal wurde dort zwar keine Pause eingelegt, doch gerade an sonnigen Tagen ist der Biergarten ein beliebter Treffpunkt für viele Radfahrer und Ausflügler entlang des Weserradwegs. Bei gutem Wetter sind die Plätze dort oft schnell belegt.
Gerade diese Mischung aus Radreisenden, Fähre und Weserlandschaft sorgte an diesem Pfingstmontag schnell für eine fast schon kleine Urlaubsatmosphäre.
Von der Weser hinauf auf die Ottensteiner Hochebene
Hinter Grohnde veränderte sich der Charakter der Tour langsam. Nach den flachen Kilometern entlang der Weser begann nun der Anstieg hinauf zur Ottensteiner Hochebene. Über Lüntorf führte die Strecke Schritt für Schritt aus dem Wesertal heraus.

Während unten an der Weser noch reger Feiertagsbetrieb herrschte, wurde es auf den kleinen Straßen Richtung Ottenstein deutlich ruhiger. Mit jedem Höhenmeter öffneten sich die Blicke weiter über das Weserbergland. Trotz der insgesamt nur rund 300 Höhenmeter fühlte sich der Wechsel von der Flusslandschaft hinauf auf die Hochfläche deutlich an.



Die Ottensteiner Hochebene besitzt ihren ganz eigenen Charakter. Anders als direkt an der Weser wirkt die Landschaft dort oben weiter, ruhiger und stellenweise fast etwas abgeschieden. Die Hochfläche zählt zu den markantesten Landschaftsräumen des südlichen Weserberglands. Offene Felder, kleine Ortschaften und weite Ausblicke prägen dort oben das Bild. Gerade an einem sonnigen Pfingstmontag mit klarer Sicht entstand schnell das Gefühl, deutlich weiter von den touristisch geprägten Abschnitten des Weserradwegs entfernt zu sein.
Mittagspause auf Burg Ottenstein
Gegen Mittag wurde schließlich Ottenstein erreicht. Für 12:30 Uhr war ein Tisch auf der Terrasse der Burg reserviert, was sich bei dem sommerlichen Wetter als perfekte Entscheidung erwies. Die Außenterrasse war gut besucht und die entspannte Feiertagsatmosphäre passte hervorragend zur bisherigen Tour.






Die Geschichte der Burg Ottenstein reicht bis ins Mittelalter zurück. Ursprünglich befand sich hier eine Wasserburg der Grafen von Everstein, deren Ursprünge vermutlich bis ins späte 13. Jahrhundert reichen. Vom mittelalterlichen Erscheinungsbild ist heute oberirdisch allerdings kaum noch etwas erhalten. Das heutige Gebäude entstand überwiegend im 17. Jahrhundert, dennoch bleibt die historische Atmosphäre des Ortes bis heute spürbar.
Das Restaurant setzt bewusst auf ein rustikales Ambiente mit mittelalterlichem Flair. Schon die Speisekarte und die Gestaltung greifen die historische Stimmung der alten Gemäuer auf. Besonders bei sonnigem Wetter entfaltet die Außenterrasse ihren ganz eigenen Charakter. Nach dem Anstieg hinauf auf die Hochebene kam die Mittagspause genau zur richtigen Zeit.
Während auf der Terrasse gegessen wurde, blieb gleichzeitig genug Zeit, die besondere Atmosphäre rund um die alte Burganlage und den kleinen Ort Ottenstein auf sich wirken zu lassen.
Die Kirche Hattensen und Antonio Congo
Nach der Mittagspause führte die Strecke schließlich wieder bergab zurück Richtung Wesertal. Auf dem Rückweg ging es noch einmal zur kleinen Kirche Hattensen, die heute einsam zwischen den Feldern oberhalb des Wesertals liegt. Das eigentliche Dorf existiert längst nicht mehr. Geblieben ist nur die alte Kapelle mit dem kleinen Friedhof und dem Grab von Antonio Congo.

Die Grabstätte von Antonio Congo hatte ich bereits vor einigen Jahren während einer früheren Radtour entdeckt. Schon damals faszinierte mich die ungewöhnliche Geschichte des afrikanischen Tischlergesellen, dessen Lebensweg über Brasilien und Hamburg schließlich ins Weserbergland führte. Danach kaufte ich mir den Roman von Christa Langer-Löw und las ihn mit großer Aufmerksamkeit. Als die diesjährige Pfingsttour erneut nach Ottenstein führte, war schnell klar, dass auch ein kurzer Halt an der Kirche Hattensen wieder dazugehören sollte.

Gerade die ruhige Lage der kleinen Kapelle zwischen den Feldern verleiht dem Ort eine besondere Atmosphäre. Nach der lebhaften Stimmung auf dem Weserradweg und der Mittagspause auf der Burg wirkte dieser Abschnitt der Tour fast wie ein stiller Gegenpol.



🪦 Antonio Congo – ein außergewöhnliches Grab im Weserbergland
Neben der alten Kapelle von Hattensen befindet sich unter einer mächtigen Linde eines der ungewöhnlichsten Gräber im Weserbergland. Zwei aufwendig gearbeitete Sandsteinplatten erinnern dort an Antonio Congo, einen afrikanischen Tischlergesellen, der 1844 fern seiner Heimat starb.
Der Grabstein erzählt eine außergewöhnliche Lebensgeschichte: Antonio Congo wurde 1811 als Sohn eines afrikanischen Häuptlings geboren. Im Alter von acht Jahren wurde er seinen Eltern geraubt und als Sklave nach Brasilien verschleppt. Dort kaufte ihn der Hamburger Kaufmann Carl Ferdinand Schlüter frei und nahm ihn später mit nach Hamburg.
In Hamburg erhielt Antonio eine christliche Erziehung, wurde getauft und konfirmiert und erlernte das Tischlerhandwerk. Nach seiner Lehre ging er wie viele Handwerksgesellen seiner Zeit auf Wanderschaft. Warum er schließlich nach Ottenstein kam, ist bis heute nicht eindeutig geklärt.
- Geboren: 12. Oktober 1811 in Afrika
- Verschleppt: als Kind nach Brasilien
- Freigekauft: durch den Hamburger Kaufmann Carl Ferdinand Schlüter
- Beruf: Tischlergeselle
- Gestorben: 11. Januar 1844 in Ottenstein
- Besonderheit: Das Grabmal ist bis heute erhalten
Um Antonio Congo ranken sich zahlreiche Geschichten und Legenden. Eine davon erzählt, er habe in Ottenstein nach einem Sklavenhändler gesucht, der an seiner Verschleppung beteiligt gewesen sein soll. Historisch eindeutig belegen lässt sich diese Erzählung jedoch nicht.
Vor einigen Jahren hatte mich diese Geschichte bereits so fasziniert, dass ich den Roman „Antonio Congo“ von Christa Langer-Löw gelesen habe. Bei der erneuten Fahrt nach Ottenstein wollte ich diesen besonderen Ort deshalb unbedingt noch einmal besuchen.
Fazit
Die Pfingsttour verband auf angenehme Weise typische Weserradweg-Atmosphäre mit den ruhigen Straßen der Ottensteiner Hochebene. Fähre, Weserlandschaft, Burgterrasse und sommerliches Wetter sorgten bereits für eine gelungene Feiertagstour. Mit dem Besuch an der Kirche Hattensen und der Geschichte von Antonio Congo bekam die Runde am Ende jedoch noch eine ganz andere, nachdenklichere Ebene.
