Radtour nach Duodez

12. April 2015 | Von | Kategorie: Mehrtagestouren

Die erste Mehrtagestour des Jahres. Die Ostertour ist dem Husten zum Opfer gefallen. Da wir nur zwei Tage haben muss eine Übernachtung reichen. Ziel ist das „Madeira des Nordens“. Am nächsten Tag geht es nach Duodez, eigentlich Schaumburg-Lippe, das durch die bissige Satire von Hermann Löns Bekanntheit erlangt hat. Neugierig geworden? Dann lies weiter.

Tatsächlich ist unser Ziel das Romatikbad Rehburg, das eine sehr interessante Geschichte hinter sich hat. Nur eins ist Bad Rehburg nicht mehr – ein Bad – dazu aber später mehr. Unsere Tour führt uns von der Rattenfängerstadt an Steinhuder Meer und dann hinauf in die Rehburger Berge nach Bad Rehburg. Am zweiten Tag geht es durch den Schaumburger Wald zum Geburtshaus von Wilhelm Busch und dann in die Hauptstadt des Fürstentums Schaumburg-Lippe: Bückeburg. Mit Bad Eilsen erreichen wir ein richtiges Bad, aber auch hier logieren keine Fürsten mehr, der Glanz früherer Zeiten ist verblasst. Es regiert das Flair der Rehazentren, wenn sie auch in historische Gebäude eingezogen sind.

 

Es geht los

6 Uhr, der Wecker klingelt. Wie so oft hatten wir am Vorabend keine Lust zu packen oder die Räder fertig zu machen. 7 Uhr Einkauf fürs Frühstück. 7:15 dann Frühstück. Danach Packen, wie es bei der ersten längeren Tour der Saison kommen musste, waren einige Dinge nicht zu finden: Eine Packtasche war nicht zu finden, die Ladegeräte waren auch nicht komplett, die iPad Hülle fehlte. Um kurz nach 8:30 war dann doch alles gepackt. Wegen der guten Wettervorhersage ging es mit kurzen Hosen los.

Pünktlich um 9 Uhr verließen wir das Grundstück und es ging über bekannte Wege bis Lauenau. Bad Münder machte diesmal eine ziemlich lebendigen Eindruck. In einem Eiscafé saßen draussen viele Menschen und auch neben dem Kornhus genossen viele die Frühlingssonne. Hinter Eimbeckhausen, dem Ort der Stühle, in dem sich noch heute namhafte Büromöbelhersteller befinden, erreichten wir bald Lauenau. Die Bauerei Felsenkeller hatte schon geöffnet. Trotz herrlichem Sonnenschein, tummelte sich niemand im Biergarten. Drinnen konnte ich Bier bestellen und schon bald gab es was gegen den ersten Durst: Leichtbier, dass hier sehr malzig schmeckt.

Über Rodenberg und Bad Nenndorf radelten wir weiter bis Haste. Im Hotel Seegers hatten wir einen Tisch reserviert. Klassische Gerichte: Schnitzel, Pfännchen. Hier kassiert die Chefin noch selbst.

Nach der Pause zogen dunkle Wolken auf. Zudem kam uns ein starker Wind entgegen. Kurz vor Steinhude sahen wir – ähnlich einer Landmarke – die Abraumhalde des Kalibergwerkes Sigmundshall steil in der Landschaft, wie einen großen Fremdkörper aufragen. So groß, dass dieser sogar noch von der anderen Seite des Sees zu sehen ist. Das Kalibergwerk in Bokeloh ist als letztes in Niedersachsen noch in Betrieb. Steinhude war trotz Vorsaison wie immer voll mit Tagesgästen. Unermüdlich liefen sie an der Promenade auf und ab und saßen in den schlechten Restaurants, von denen wir schon öfters welche getestet hatten.

Durch Moorlandschaft radelten wir entlang des Steinhuder Meeres bis Mardorf. An der weißen Düne wimmelte es nur so von Kitesurfern und anderen Surfern. Die Wege wimmelten zum Glück nicht von Erholungssuchenden, so dass wir einigermaßen vorankamen. Als wir uns hinter Mardorf nach Süden bewegten, kam uns der heftige Wind aus den dunklen Wolken direkt entgehen. Vor Winzlar verließen wir die Steinhuder Meer Ebene und es ging hinauf in die Rehburger Berge. Wieder einmal so ein „Scheinberg“, der aus der Ferne höher aussieht, als er in Wirklichkeit ist, so kamen wir besser hinauf als gedacht.

Gegen 16:30 Uhr waren wir dann an unserem Ziel Bad Rehburg. Hier hatte im August ein neues Hotel eröffnet, das Parkhotel Bad Rehburg, alles war neu und gut eingerichtet.

Bad Rehburg war in der Zeit der Romantik ein angesagtes Kurbad und wurde von den Königen von Hannover gefördert. Einen guten Eindruck vom damaligen Kuren verschafft das Kurtagebuch von Johann Christian Kestner „Die wahre Brunnenfreiheit“. Leider versiegte 1850 – wohl infolge von Bergbautätigkeiten – die Quelle. Die danach durchgeführten Molkekuren konnten an den Erfolg von Einst, als das Bad „Madeira des Norden“ genannt wurde, nicht mehr anknüpfen. Es fiel in einen Dornröschenschlaf, erst vor einigen Jahren wurden die Wandelhalle und das einstige Brunnenhaus restauriert. Im Brunnenhaus befindet sich heute ein Museum, das die Zeit der Romantik und das Kuren in dieser Zeit zum Inhalt hat. An mehreren Audiostationen wird anschaulich die Geschichte Bad Rehburgs erläutert.

Ein kurzer Rundgang durch den Kurpark, der zentraler Teil eines Landschaftsparks war, schloss sich an. Etwas oberhalb erhebt sich die Friederiken Kapelle, die nach der hannoverschen Königin Friederike benannt ist. In der Wandelhalle, die noch das Flair der damaligen Zeit versprüht, befindet sich ein Restaurant, das „Carpe Diem“. Hier haben wir dann gut zu Abend gegessen.

 

 

Zweiter Tag, zurück nach Hameln

In der Nacht regnete es, aber Sonntag Morgen lachte wieder die Sonne. Es war jedoch kälter als an den letzten Tagen. Vlies und Shirt konnten den Windstopper nicht ersetzten, aber der war in Hameln. Noch einmal ein kurzer Bummel durch die historischen Kuranlagen und rauf auf die Räder. Bis zum Kamm der Rehburger Berge ging es noch ein wenig bergauf. Bald war aber der Kamm erreicht, dem wir einige Kilometer folgten.

Dann ging es hinunter in die Norddeutsche Tiefebene. Wir folgten der Schaumburger Landroute, die bald in den Schaumburger Wald eintauchte. Gerade, flache, eintönige Waldwege in einem stark von der Forstwirtschaft genutzten Wald. Wandern wäre hier langweilig, aber wir fahren ja Rad. Der Wald ist lang getreckt

Hinter der Forstsiedlung Mittelbrink folgten wir schmalen Pfaden nach Wiedensahl. Hier steht das Geburtshaus von Wilhelm Busch. Im Haus befindet sich ein Museum, das Stationen im Leben von Wilhelm Busch zeigt. Sogar zwei Zimmer befinden sich noch im Originalzustand. Im oberen Stockwerk ist eine Comicausstellung von Preisträgern des Max und Moritzpreises zu sehen.

Nach ausgiebiger Besichtigung führt uns der Weg wieder weiter durch den Schaumburger Wald, vorbei am Jagdschloss Baum, das leider nicht zu besichtigen ist. Mitten im Wald stoßen wir auf eine Pyramide. Nein, verfahren haben wir uns nicht. Die Pyramide ist das Grabmal von Graf Wilhelm, der die Insel Wilhelmstein als Festung im Steinhuder Meer bauen lies. Ein Weg, der die ursprüngliche Gestaltung aufnimmt symbolisiert den Lebensweg. Auf der Karte ist die Spirale bei entsprechender Vergrößerung gut zu sehen.

Nachdem wir den Schaumburger Wald verlassen hatten, blies der Wind wieder heftiger, jedoch nicht so stark wie am Vortag. Bis Bückeburg, unserem nächsten Ziel hatten wir Gegenwind. Bückeburg war die Hauptstadt des ehemaligen Fürstentums Schaumburg-Lippe. Die Bedeutung als Residenzstadt kann man auch heute noch erahnen. Höhepunkt ist das Schloss. Aus Zeitgründen beschränken wir uns auf eine Außenbesichtigung. In der Fußgängerzone stärkten wir uns im Schaumburger Braukeller bei Currywurst und Schaumburger Bier.

Über den Harl, einem Gebirgszug radelten wir nach Bad Eilsen, um 1900 ein angesagter Kurort, sogar eine elektrische Kleinbahn verband Bad Eilsen mit Bückeburg. Das größte und modernste Hotel der damaligen Zeit ist heute eine Kurklinik.

Entlang der Aue ging es bis Steinbergen, einem Vorort von Rinteln. Ein letztes mal bergauf, dann wieder hinab ins Wesertal. In Großenwieden gab es noch eine kurze Einkehr im Kastanienhof. Nach 70 km waren wir dann wieder in Hameln.

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