Radrunde Niederlande – Flandern

2. August 2014 | Von | Kategorie: Mehrtagestouren

Die Sommertour führt uns in die Niederland sowie nach Flandern, dem nördlichen Teil Belgiens. In knapp drei Wochen geht es diesmal ohne Bahnanreise direkt von Hameln los. Die 18 Etappen umfassen etwas über 1400 km Strecke.

Etappe 1 Hameln – Hiddenhausen

Im Westen nichts neues, so könnte das Motto der ersten Etappe sein. Um 9 Uhr ging es los, bis Bad Oeynhausen folgen wir dem Weserradweg, den wir hier schon sehr oft gefahren sind. Erster Etappenstop war der Biergarten Kastanienhof in Großenwieden. Gegen 11:30 Uhr waren wir schon in Rinteln. Die Cafés und Restaurants am Markt waren gut besetzt, so entschieden wir uns im etwas abgelegenen Hotel Stadt Kassel einzukehren.

Weiter ging es nach Eisbergen. In Veltheim fand das „Festivalkult“, ein Rockfestival statt. Unser Radweg führte direkt hindurch. Hinter Vlotho überquerten wir die Weser, der Radweg  führt parallel der Autobahn A2 über den Fluss. Im Alten Fährhaus in Bad Oeynhausen direkt an der Weser konnten wir noch einmal etwas gegen den Durst unternehmen. Kurz darauf verließen wir den Weserradweg und fuhren entlang der Werre direkt gen Westen. Ein kurzer Stopp an einem Gradierwerk. Bis Löhne folgten wir dem Werreradweg. Danach noch ein längeres Stück Straße ohne Radweg. Das letzte Stück dann wieder mit Radweg.

Unser Hotel  Freihof war dann direkt am Weg. Am Abend hat sich eine Hochzeitsgesellschaft mit 80 Personen angesagt. Gerade fahren sie vor…Nachdem wir uns ins klimatisierte Restaurant zurückgezogen hatte, merkten wir von der großen Gesellschaft nichts mehr. Die Bedienung war aufmerksam und auch das Essen kam ohne lange Wartezeiten. Sogar die Nacht war ruhig.


Etappe 2 Hiddenhausen – Hörstel

93 Kilometer lagen vor uns. Vor dem Frühstück noch packen und dann gegen 8:45 Uhr los. Die Tour sollte durchaus anspruchsvoll werden. Wir mussten, um an unser Ziel zu kommen den Teutoburger Wald überqueren.

Zuerst ging es bis hinter Bünde an der Else entlang. Kurz nach Melle machten wir einen Abstecher zur Bifurkation von Hase und Else.  Hier gabelt sich die Hase und nach Osten zweigt die Else ab. Über die Werre erreicht ihr Wasser die Weser. Die Hase fließt zur Ems. Vor unserem Mittagsziel gab es die ersten Steigungen. Das Gepäck machte sich bemerkbar. Eine Straßensperre kündigte ein Bergrennen an. Mangels einer vernünftigen Alternative ging es weiter. Oben auf dem Berg war dann die Straße für das Bergrennen abgesperrt. Viele Tourenwagen standen dort. Wir wurden aber durchgelassen. Kurz darauf erreichten wir unser Mittagsziel, die Gaststätte „Zittertal“.  Ein wunderschönes Gartenlokal, die Speisekarte hinkte dem Ambiente etwas hinterher, aber es war gut besucht.

Kurz nach der Weiterfahrt ging es wieder bergauf. Der Weg wurde schlechter, wir mussten schieben. Bald erreichten wir wieder asphaltierte Wege. Bis auf 160 m ging es hoch, danach wieder runter. Später war auch ein als Radweg ausgeschilderter Wanderweg dabei, der sehr schwer zu befahren war. In Brochterbeck gab es noch einmal eine Bierpause gegen den Durst. Die beste Wegstrecke war dann am Schluss: 5 km auf gut asphaltierter Strecke entlang des Dortmund-Ems-Kanal bis kurz vor unserem Ziel. Noch über die Kanalbrücke und wir waren am Ziel. Unsrer Hotel Stratmann liegt direkt in Riesenbeck gegenüber der Kirche. Abendessen gibt es im Gartenrestaurant.

 

Etappe 3 Hörstel – Enschede

Die Nacht war sehr laut, das Hotel lag direkt an einer stark befahrenen Kreuzung. Mit offenem Fenster war es unmöglich zu schlafen. Dazu gab es noch dicke Bettdecken. Zum Frühstück gab es Aufbackbrötchen. Auf den ersten Blick hatte ich gedacht: Die haben das Aufbacken vergessen. Die Brötchen waren so was von hell. Der Preis für das Zimmer passte hierzu nicht. Da es schon ab 7 Uhr Frühstück gab, kamen wir sehr früh los. Der Wetterbericht hatte Regen und Gewitter durchgesagt. Am Anfang folgten wir wieder dem Dortmund-Ems-Kanal.

Erste größere Stadt war Rheine, hier stießen wir auf einen alten Bekannten: den Emsradweg. Wir folgten dem Emsradweg einige Kilometer vorbei an der Saline Gottesgabe. Bald setzte leichter Regen ein, wie immer stellte sich die Frage, ob die komplette Regenkleidung (Hose, Jacke, Helmschutz, Gamaschen) oder nur die Jacke reicht. Meistens entscheidet man sich eh falsch. An einer Bushaltestelle haben wir uns dann für die Jacken entschieden. Diesmal war die Entscheidung richtig. Bald konnten wir die Jacken wieder ausziehen. Bis Bad Bentheim sind wir durch die abwechslungsreiche Parklandschaft gefahren. Bad Bentheim hat das Flair eines typisch deutschen Kurortes: Cafés und Restaurants, die die besten Zeiten hinter sich hatten. Die Burg hatten wir schon auf unserer Emsradtour besichtigt. Wir kehrten ein einem Restaurant ein, wo viele Niederländer Apfelkuchen mit Sahne aßen. Das jedoch nicht ohne Grund, denn beim Bestellen haben wir erfahren, dass die Küche erst um 13 öffnet. Also nahmen auch wir Apfelkuchen.

Mittags kam auch die Sonne wieder. Noch gut 10 Kilometer trennten uns von der Grenze. Diesmal merkte man nichts vom Grenzübertritt, die Straßen wurden schlechter und auf ein mal, ein Reiterhof mit niederländischen Hinweisen, wir waren da. Auf der Terrasse des Hofes gab es ein Bier, noch deutsch: ein Erdinger. Wenig später kamen wir in den Ort Losser. Hinter Losser, der erste Fietspad, ein betonierter Pfad durch Wald und Feld, einfach klasse oder in der Landesprache „uitstekend“. Über abwechslungsreichen Wege ging es weiter bis Enschede. Enschede ist mit fast 160.000 Einwohnern die Provinzhauptstadt der Provinz Twente. Auf dem Marktplatz folgte noch eine kurze Einkehr. Durch das Gelände der Universität ging es zu unserem Hotel De Broeird. Diesmal stimmte alles, Begrüßung, Zimmer, Abendessen. Und es ist ruhig.

 

Etappe 4 Enschede -Apeldoorn 

Die Nacht war wesentlich ruhiger als die letzte. Es gab nur ein undefinierbares Geräusch von draußen, das aber nicht stark störte. Das Frühstück wär niederländisch mit Kaffeeautomat, aber mit sehr guter Auswahl und Qualität. 8:20 Uhr waren wir schon auf den Rädern. Erstes Highlight war der Radschnellweg F35 Enschede – Hengelo. Dieser führte schnurgerade an der Bahnlinie entlang. Später ging es durch die südlichen Vororte von Hengelo. Dann eine kurze Zeit entlang des Twentekanals. Danach lange über wenig befahrene Landstraßen. Bis zur Mittagspause hatten wir gute 50 km. Aber vorher radelten wir noch durch eine schöne Heidelandschaft. Die Heide war kurz vor der Blühte.

In Bathmen, einem Vorort von Deventer gab es Frikandeln mit Pommes, Salat und Majonäse. Die Pommes waren das Beste. Dazu gab es Wieckse Witte. Bis Deventer fuhren wir weiter über Landstraßen, kurz vor Deventer wieder ein Radschnellweg, fast kreuzungsfrei ging es bis in die Innenstadt. In Deventer gab es wieder eine kurze Pause. Weizenbier von Brand für 5,60 €. Getränke sind hier nicht gegen den Durst, sondern nur zum Probieren. Viele Niederländer halten sich lange an einem Getränk fest und genießen das Flair des Platzes. Auf dem Markplatz steht das historische Stadhuis und gibt dem Platz sein historisches Ambiente. Rund um den Platz gibt es Cafés und Restaurants Weiter ging es über die Ijssel, einem Mündungsarm des Rheines. Eine eigene Radbrücke führte parallel der Eisenbahn über den Fluss. Nachher ging es weiter über ruhige Landstraßen.

In Apeldoorn, wieder eine Großstadt mit mit 160.000 Einwohnern, ging es über gute Radwege durch die Innenstadt und weiter zu unserem Hotel de Keizerkroon, es liegt unmittelbar am Schloss Het Loo. Wir waren schon kurz nach 15 Uhr am Hotel, schnell duschen und umziehen und zum Schloss. Am Eingang haben wir erfahren, dass es Karten nur an der Kasse am Parkplatz gibt. Um kurz nach 16 Uhr waren wir da. Das Schloss schließt schon um 17 Uhr und 15 Euro pro Person für eine knappe Stunde waren uns dann doch zu viel. Die Dame an der Kasse hatte uns dann den Park empfohlen. Wie sich herausstelle, war es nicht der Garten des Schlosses, sondern ein Englischer Landschaftsgarten durch den wir fast 8 km liefen, ohne etwas wesentliches vom Schloss zu sehen. Gegen 17:45 Uhr waren wir wieder im Hotel und ließen den Abend auf der Terrasse des Restaurant ausklingen.

 

Etappe 5 Appeldorn – Amsterdam

Heute liegen 101 km Strecke vor uns, also um 6 Uhr den Wecker gestellt. Schon kurz vorher krähte laut und oft ein Hahn. Ab 7 Uhr gibt es Frühstück. Um 7:45 Uhr waren wir schon auf dem Rad. Wenig später ein Knacken… und wie es kommen sollte, ist wieder einmal eine Speiche gebrochen. Es war nicht die Erste, im Winter sollen die Räder von Patria / Rohloff neu eingespeicht werden, da die Speichen einen Fehler aufweisen sollen. Aber das nutzt uns jetzt nicht. Schnelle Entscheidungen sind gefragt. Die Speiche selber tauschen oder bis Amsterdam warten und die Speiche am nächsten Tag tauschen lassen.

Wir entschlossen uns für weiterfahren, die richtige Entscheidung wie sich bald rausstellte. Um 9 Uhr kamen wir in einem Ort an einer Tankstelle mit Fahrradwerkstatt vorbei. In gut 20 Minuten war der Schaden behoben. In der Wartezeit gab es Kaffee in einem Cafe nicht weit weg von der Werkstatt. Landschaftlich hatte die Tour viel zu bieten, zuerst ging es die Waldgebiete von Het Loo, danach durch weite Heidelandschaften. Zuerst ging es immer leicht bergauf, danach wieder leicht konstant bergab. Nach 35 km waren wir am Veluwemeer, ein langgezogener See, der durch die Polder im Ijsselmeer entstanden ist. Wir radelten nun auf dem Deich.

In Spakenburg war ein großer Trödelmarkt um den alten Hafen herum. Hier lagen viele historische Schiffe, leider mussten wir bald in eine Nebenstraße ausweichen, da mit unseren Räder kein Durchkommen mehr war. Zu viele Menschen waren unterwegs. Mittagspause machten wir dann im nächsten Ort. Nachher ging es weiter  landeinwärts, die Festungsstadt Naarden lag auf dem weiteren Weg, die durch die Spanier erbaute Festung ist noch weitestgehend erhalten.  Es folgte weiter das sehenswerte Muiden mit Schloss und Gracht. Parallel der Autobahn fuhren wir über den Nordseekanal auf Amsterdam zu. Wir machten noch einen kurzen Schlenker zum Nordseekanal und erreichten bald unser Hotel Casa 400 unweit des Amstelbahnhofs in Amsterdam. Das Hotel hat einen eigenen Fahrradkeller, also sind die Räder gut untergebracht, denn in keiner Stadt werden mehr Fahrräder gestohlen als in Amsterdam.

 

Etappe 6 Amsterdam – Delft

Nach einem Tag Amsterdam mit Reichsmuseum und Grachten ging es wieder los. Wieder wollten wir früh auf den Rädern sein. Um 6:30 Uhr ging der Wecker. Nach dem Frühstück waren wir dann schon  um 8:15 Uhr unterwegs. Nach wenigen Minuten radelten wir entlang der Amstel nach Südwesten. Nach einer Stunde kamen wir an eine Fähre, die wir nutzen mussten um auf die andere Seite zu kommen. Eine kleine Fähre, wohl gut für zwei PKW, lag dort,  aber kein Fährmann da. Jedoch in einem Schuppen neben einem Haus war ein Mann. Ich fragte ihn: Bent uw de veerman? Er bejahte es und schon ging es rüber.

Der weiter Weg war weniger spektakulär. Auf Landstraßen und Radwegen ging es bis Alphen aan de rijn. Hier gibt es ein Wasserstraßenkreuz. Wir machten draußen an einer Klappbrücke am alten Rhein Mittag. Immer wieder wurde die Brücke geklappt, das viele Freizeitschiffer unterwegs waren. Nach dem Essen fing es leicht zu regnen an. Regenkleidung lohnte sich aber nicht. Bis Delft waren es noch knapp 30 km. Durch die städtischen Regionen der Randstad ging es auf Fahrradstraßen durch Zoetermeer südlich von Den Haag. Die restlichen Kilometer fuhren wir dann wieder durchs Grün, den Blick auf die Niewe Kerk gerichtet.

Gegen 14:30 Uhr waren wir diesmal wieder früh da. Unsrer Hotel Leeuwenbrug liegt an der gleichnamigen Brücke in der Altstadt. Sie wird durch Löwenköpfe verziert. Es war dann genug Zeit für eine Grachtenrundfahrt durch die Altstadt von Delft. Danach schloss sich ein Stadtrundgang an. Abendessen gab es bei einem Griechen in der Altstadt, eine willkommene Abwechslung zum sonst faden niederländischen Essen.

 

Etappe 7 Delft – Oost Beverland

Die ganze Nacht hatte es geregnet und gestürmt. Das lässt für den heutigen Tag nichts gutes Ahnen. Also wieder früh los. Um 8:15 Uhr waren wir auf den Rädern. Der Regen hatte aufgehört, aber leider der Wind nicht. Wir hatten Westwind also Gegenwind. Teilweise war es schon am Anfang sehr böig.

Bis Maassluis ging es entlang von Kanälen. Kurz vor Maassluis mussten wir eine „Selbstbedienungsfähre“ benutzen. Die Fähre musste mit einer Kurbel rübergeholt werden, auch zurück mussten wir kurbeln. In Maassluis ging es dann mit einer großen Fähre über die Maas, ein Mündungsarm des Rheins, der bei Hoek von Holland in die Nordsee mündet. Über Brücken und Radwege ging es durch die Ausläufer des Euroports von Rotterdam. Auf dem Haringvlietdamm bekamen wir den ersten Vorgeschmack unserer restlichen Tagesetappe. Teilweise ging es nur noch mit 7 km/h weiter, so stark war der Gegenwind. Auf der anderen Seite ging es etwas besser, aber Gegenwind war immer noch da. Kurz vor dem Brouwersdam kehrten wir direkt in einer Strandbar ein. Die Fahrräder ließen wir im Sandsturm zurück. Es gab Clubsandwich und Bier, mit einem tollen Blick auf die Wellen der Nordsee.

Nach dem Essen ging es auf den Damm. Teilweise war ein Fortkommen fast unmöglich. Aber nur fast, denn vorweggenommen, sind wir natürlich angekommen. Auf der anderen Seite ging es dann unterhalb der Deiches etwas besser voran. In Renesse tobte der Bär. Alle Straßenlokale waren voll. Die letzten 15 km gingen über den Osterscheldedamm, auch hier war es wieder sehr windig, aber aufgrund der Windrichtung kamen wir etwas besser voran. Wir radelten insgesamt über drei Sperrwerke, auf der rechten Seite die Nordsee und auf der linken Seite die Schelde. Das Sperrwerke ist insgesamt 9 km lang. Auf der anderen Seite waren es noch 3 km bis zum unserem Hotel Kamperduinen. Erst mal an der Bar ausspannen und später bei einem guten Essen von der bisher anstrengesten Etappe erholen.


Etappe 8 Oost Beverland – Brügge

Frühstück gab es um 8 Uhr. Also etwas später los als die letzten Tage. Heute hatte der Wind nachgelassen, es war leicht bewölkt, nach dem Wetterbericht sollte es aber noch regnen. Über eine Damm geht auf die Insel Walcheren. Die Orte Veere und der Hauptort Middelburg sind im typischen Stil erbaut. Von Middelburg radelten wir an einem Kanal entlang nach Vlissingen.

Hier ging es auf die Scheldefähre nach Breskens, gut 20 Minuten brauchte der Katamaran auf die andere Seite. Wie vorausgesagt fing es auf der  anderen Seite an zu regnen. Regensachen raus und im Regen weiterfahren, wir hatten schon gut die Hälfte geschafft. Knappe 15 km trennten uns noch von der belgischen Grenze.

Leider hörte der Regen nicht auf. In Belgien machten wir halt in Knocke einem typisch belgischen Nordseebad mit Strandpromenade und mehrstöckigem Häusern direkt an der  Promenade. Fast in allen Restaurants gab es Muscheln. Die belgische Küche ist von Frankreich beeinflusst. eine schöne Abwechslung nach den Niederlanden mit einer eher calvinistisch geprägten Küche.

Weiter ging es nach Seebrügge. Hier kreuzten wir die Küstenstraßenbahn, die längste Straßenbahnlinie der Welt, die an der gesamten belgischen Nordseeküste entlang fährt. Der Wind nimmt wieder zu, es geht nach Süden, zuerst durch Hafengebiet, dann an einem Kanal entlang. Es macht alles einen eher tristen Eindruck. Das Wetter trägt bestimmt auch noch dazu bei. Nach kurzer Fahrt am Kanal ein Umleitungsschild für Radfahrer, wohl wegen Bauarbeiten. Um nicht wieder zurück fahren zu müssen, folgten wir dem Schild, es war jedoch das einzige. Bald stießen wir aber auf ein Hinweisschild für einen Radweg nach Brügge. Wir folgte, diesem, gleichzeitig setzte heftiger Regen ein. Zusammen mit einem starken Gegenwind war es richtig unangenehm.

Irgendwann kamen wir dann wieder auf die geplante Strecke, durch triste Vororte erreichten wir dann Brügge. Die Alststadt ist UNESCO Welterbe. Wir merkten es sofort am Kopfsteinpflaster. Unser Hotel Navarra liegt direkt in der Innenstadt.

Zuerst mussten nach der Ankunft so es es geht die Fahrradkleidung getrocknet werden. Dann folgte ein Altstadtbummel. Das Stadtbild ist wirklich überwältigend. Gegen den ersten Durst gab es belgisches Bier. In einem kleinen Restaurant gab es flämische Spezialitäten.  Bevor es ins Hotel zurück ging folgte noch eine weitere Runde durch die Altstadt.

 

Etappe 9 Brügge – Gent

Heute ist die Tour nur kurz. Es geht über 45 km nach Gent. Der Radweg ist wenig spektakulär. Es geht fast die ganze Zeit am Fluss Leie entlang. Aber dieses mal auf guten Radwegen, die sogar gut ausgeschildert waren. Auf halber Strecke gab es in einem Lokal Bier gegen den Durst. Die Getränkepreise sind in Belgien günstiger als in den Niederlanden.

Es fällt auf, dass viele Rennradfahrer unterwegs sind. Es ist ja auch das Land von Eddy Merckx. Kurz vor der Innenstadt ging es weg vom Fluss. Es gab keine Radwege mehr. Nach wenigen Minuten waren wir aber am Hotel, dem Marriott Gent. Freundliche Begrüßung, die Fahrräder kamen in die Tiefgarage des Hotels. Das Hotel ist sehr modern und verbirgt sich hinter einer historischen Fassade.

Da es noch früh war hatten ausgiebig Zeit die zweitgrößte Stadt Flanderns zu erkunden. Abends gab es in der Altstadt ein sehr gutes 4 Gänge Menü.

 

Etappe 10 Gent – Antwerpen

Heute sind es wieder fast 100 km. Es geht fast die gesamte Stecke an der Schelde entlang. Daher war wiedereinmal frühes Aufstehen angesagt. Das Frühstück war fabelhaft. Über den vor uns liegenden Weg hatte ich gemischte Gefühle, in der Stadt war es wiedereinmal nicht so einfach mit dem Fahrrad voranzukommen. Aber sobald wir Gent verlassen hatten, wurden die Wege besser. Zum überwiegenden Teil, guter glatter Asphalt entlang der Schelde. Ab und zu mal eine Baustelle und mal ein kurzes Stück nicht asphaltierte Strecke.

Die Schelde wurde mit jedem Kilomter breiter. Wieder begegneten uns viele Rennradfahrer. Bei Mariekerke mussten wir mit einer Fähre übersetzten. Die zahlreichen Fußgänger und Radfähren werden von der Schiffahtsverwaltung betrieben und sind kostenlos. Sie verkehren alle zur vollen und halben Stunde und um 12:30 Uhr ist bei allen Mittagspause. In Mariekerke fanden wir ein Restaurant, es gab Stoofvlees – ein Schmorfleischeintopf – mit Pommes frites und Witt Bier. Kurz nach dem Essen, das wir noch im der Sonne genießen konnten, fing es an zu regnen. Also Regenkleidung übergezogen und weitergefahren. Nach 30 Minuten lockerte es wieder auf. Den Seekanal Brüssel-Schelde querten wir an einer Schleuse, kurz darauf mussten wir den Fluss Rupel wieder mit einer Fähre queren.

Da wir kurz vor 15 Uhr dort ankamen, war die Wartezeit nicht lange. Auf der anderen Seite erreichten wir bald die Vorstädte von Antwerpen. Der Weg führte uns durch Siedlungen und später wieder an der Schelde entlang. Der Weg zum Hotel führte dann durch die Fußgängerzone und vielbefahrene Hauptstraßen. Unser Hotel Astoria liegt direkt im Diamantenviertel. Eine eher triste Gegend. Überall Kameras und Absperrungen. Das Hotel hatte schon bessere Zeiten gesehen. Mit der Metro fuhren wir in die Innenstadt, machten einen kurzen Bummel und aßen dann zu Abend.

 

Etappe 11 Antwerpen – Aarschot

Nachdem wir gestern ausgiebig Antwerpen besichtig hatten, geht es heute weiter. Das Frühstück dauerte nicht lange, denn wirklich lecker war es nicht. Wir wurden aber satt.

Schnell noch die Räder aus der Tiefgarage holen und um so gegen 8:15 Uhr ging es los. Die Stadt war noch nicht so voll, so dass wir schnell an die Schelde kamen. Bis Schelle, ca. 20 km ging es den gleichen Weg zurück. Von da aus radelten wir entlang des Flusses Rupel bis nach Mechelen. Kurz vor Mechelen erwischte uns noch ein heftiger Schauer, zum Glück waren wir nicht weit von einer Autobahnbrücke, hier konnten wir den Schauer aberwarten. Auch einige Rennradfahrer nutzten die Möglichkeit.

Nach 3 km waren wir dann auf dem Marktplatz von Mechelen. Hier fand gerade eine Parade zum 100 jährigem Beginn des ersten Weltkrieges, der Belgien stark in Mitleidenschaft gezogen hat, statt. Hinter Mechelen folgten wir dem Lauf der Derer, ein kleiner Nebenfluss der Rupel. Der Radweg folgte immer direkt dem Fluss, der in Mäandern durch die flache Landschaft fließt. Bis zu unserem Etappenziel in der Kleinstadt Aarschot, bot sich das gleiche Bild. Das Hotel Hertogenmolens befindet sich in einer alten Mühle, die von der Demer umflossen wird.

Nachher ging es noch in den Ort. In einem Cafe, wie hier die Kneipen genannt werden, gab es noch ein paar belgische Biere. Zu Abend gegessen haben wir im Restaurant des Hotels, das von vielen Einheimischen besucht wurde. Das Essen war wirklich sehr gut.

 

Etappe 12 Aarschot – Maastricht

Nach dem Frühstück ging es wieder früh los. 85 km bis Maastricht lagen vor uns. Zuerst ging es wieder an der Demer entlang. Später auf ruhigen Landstraßen im leicht welligen Gelände. Kurz nachdem wir die Demer verlassen hatten, steckte ein Nagel in einem Vorderreifen unserer Räder. Nachdem ich ihn rausgezogen hatte, war auch die Luft aus dem Reifen raus. Also flicken. In meiner Ungeduld hatte ich die Vulkankanisierflüssigkeit nicht genug trocken lassen. Nach dem Aufpumpen und Weiterfahren ging die Luft wieder raus. Also das ganze nochmal, mit mehr Geduld. Jetzt klappte es.

In der Nähe von Hasselt, war ein Popfestival Pukkelpop, das jährlich fast 200.000 Besucher anlockt. Wir kamen aber gut durch, eine nette Mitarbeiterin ließ uns durch die Absperrung.

Weiter radelten wir nördlich von der Stadt Hasselt bis zur Domein Borkeijk. Hier kehrten wir ein, wir saßen draußen und die Vögel versuchten die zum Bier gereichten Nüsse zu stehlen, was recht nervig war.

Nach dem Essen erreichten wir bald die Industriegegend um Genk am Albertkanal. Die Fordwerke und ein Stahlwerk prägten die Silhouette. Weiter radelt wir entlang des Kanals. Kurz vor der niederländischen Grenze fing es stark an zu regnen. Es ging dann in Regensachen die letzten 5 km weiter.

Unser Hotel Townhouse Maastricht liegt unweit des Bahnhof. Bis zur Innenstadt waren es allerdings 15 Minuten Fußweg. Leider hatten die Zimmer keinerlei Schränke oder Abstellmöglichkeiten. Abendessen gab es in der Altstadt. Unser letzter Abend in den Niederlanden.

 

Etappe 13 Maastricht – Aachen

Heute ging es etwas später los. Um 9 Uhr hörte auch der Regen auf. Es kam sogar die Sonne heraus. Der höchste Teil der Niederlande liegt vor uns. Gleich nachdem wir aus dem Maastal herausgekommen sind, kam die erste Steigung.

Wir folgten dem niederländischen Fernradweg LF6 Maastricht – Aachen. Valkenburg, das im Tal der Geul liegt, hatten wir nach 15 km erreicht.  Von hier ging es weiter auf ruhigen Landstraßen, teilweise aber sehr stark bergauf. Die Landschaft ist alles andere als typisch für die Niederlande.

Nach ca. 35 km hatten wir die Grenze erreicht. Es ging nochmal bergauf bis zum Aachener Klinikum und von da aus in die Innenstadt zu Markt und Dom. Unser Hotel Aquis Grana ist direkt in der Altstadt nahe Dom und Markt.

Nachmittags ging es in dem Dom, den Krönungsthron kann man leider nur noch bei einer Führung besichtigen. Die waren jedoch für heute ausgebucht.

 

 

Etappe 14 Aachen – Zons

Heute liegen 95 km vor uns. Die erste Etappe unserer Nordrhein-Westfalen Durchquerung. Es geht durch alte und neue Kohlereviere. Erst durch das Aachener Steinkohlegebiet um Eschweiler herum und danach in die Braunkohlegegend um Frimmersheim.

Aachen hatten wir schnell verlassen, der Verkehr hielt sich in Grenzen, es ist ja auch Sonntag Morgen. Lange Strecken verliefen über ehemalige Bahntrassen, die sich gut befahren ließen, auch wenn sie nicht immer asphaltiert waren. Wir kamen gut voran, fast 90 % der Strecke hatten wir starken Rückenwind.

Kurz vor Jülich kamen wir zur Sophienhöhe, eine künstlich geschaffene und begrünte Abraumhalde, die durch den Braunkohlebabau geschaffen wurde.

In Bedburg kehrten wir auf dem Markt bei einem sehr guten Italiener ein.

Weiter folgten wir der Erft, unser Radweg hatte noch Stumschäden vom letzten großen Sturm, der zu Pfingsten ganz NRW lahmlegte. Wir kamen aber gut durch. In Frimmersdorf ging es direkt an einigen Braunkohlekraftwerken entlang. Ab hier ging es fast nur noch bergab. Meist über asphaltierte Feldwege erreichten wir dann das Festungsstädtchen Zons. Die Stadt ist noch fast komplett von einer Mauer umgeben. Im Hotel Friedestrom haben wir unsere Quartier für heute gebucht.

Ein Stadtrundgang vor dem Abendessen mit Besichtigung der Windmühle, die als Eckturm der Stadtmauer dient, durfte nicht fehlen.

 

Etappe 15 Zons – Herdecke

Nach gutem Frühstück ging es wieder früh los. Das Niederbergische Land lag vor uns. Bei der Planung hatte ich dieses Mal besonders auf die Kilometer geachtet. Die Strecke hatte ich mit dem Radroutenplaner NRW optimiert. Bisher hatte ich damit immer gute Erfahrungen gemacht.

Nach 500 m erreichten wir die Fähre Zons – Urdenbach. Der Rhein führte viel Wasser. Auf der anderen Seite ging es durch die Urdenbacher Kämpe. Später durch Düsseldorf Benrath. Und dann kamen wir nach Hilden und in den Kreis Mettmann. Nach dem Film „Samba in Mettmann“, könnte man meinen die Stadt sei eine Erfindung von Hape Kerkeling. Aus Sicht von uns Radfahrern gibt es die Stadt und den Kreis leider wirklich.

Wir sahen kaum Altagsradfahrer und das aus gutem Grund: Die Radwege, die es gab waren schlecht, mit Unkraut überwuchert und zugewachsen. Ein Bromberzweig schlug mir beim Fahren ins Gesicht. Radwegführungen waren unklar und und und… Etwas schlimmeres hatten wir noch nie erlebt. Hierüber konnte auch nicht das kurze Stück Bergischer Panoramaradweg hinwegtrösten, der über die Bahntrasse der Niederbergbahn führt. Auch das Neandertal, das wir kurz vor Mettmann erreichten, half nicht. Das ganze ging bis kurz vor Hattingen, fast 50 km. Dann war der Spuk vorbei und wir hatten den Ruhrtalradweg erreicht.

Ab nun hatte unser Radweg bis zum Ziel wieder eine bessere Qualität. Wir radelten auf guten Wegen, immer meist an der Ruhr entlang. Am Weg lagen die Burg Blankenstein und der Stausee Kemnade. Kurz vor der Zeche Nachtigall überquerten wir die Ruhr auf einer Fahradfähre. Unterwegs gab es ein paar leichte Regenschauer. Hinter der Stadt Wetter ging es noch am Hakortsee vorbei bis nach Herdecke. Hier übernachten wir im Hotel Zweibrückerhof, direkt an der Ruhr. Abendessen gab es im Hotel, da es im Ort keine Restaurants gab.

 

Etappe 16 Herdecke – Möhnesee

Heute sollte es mal wieder Regen geben. Meistens kommt es ja nicht so schlimm wir in der Vorhersage. Also ging es wie immer so gegen 8:15 Uhr los. Wir radelten auf dem Ruhrtalradweg entlang des Hengstysees, einem weiteren Ruhrstausee. Vorbei am Koepchenwerk, einem Pumpspeicherwerk, dass einen Speichersee oberhalb des Sees füllt. Vor vielen Jahren hatte ich das Kraftwerk gebaut! Im Ernst: Genau hier hatte ich 1987  mein Baupraktikum bei Hochtief  gemacht und 3 Monate mitgebaut.

Nördlich des Sees verpassten wir dann eine Umleitung. So mussten wir die bepackten Räder steil bergauf über einen Campingplatz schieben. Danach ging es dann wieder runter und wir  waren bald wieder auf unserem Weg. Und wie es kommen musste: Es fing an zu regnen. Zuerst sah es so aus, das es bald wieder aufhörte. Aber nach 15 Minuten unter einer Eisenbahnbrücke, hieß es dann doch: Regensachen an.

Der Regen wurde heftiger. So konnten wir den Weg, der sich angenehm von der gestrigen Tour abhob, nicht genießen. Trotz des Wetters kamen uns immer wieder andere Radreisende entgegen. Wie bei Flussradwegen üblich, fahren sie von der Quelle zur Mündung.

In Wickede kehrten wir im Bürgerhaus in den Bürgerstuben ein. Es habe einen preiswerten und guten Mittagstisch. Das Restaurant war gut besucht. Nach dem Essen, ging der Regen, der kurz aufhörte, wieder los. Wir folgten noch ein Stück dem Ruhrtalradweg, Dann ging es bergauf in Richtung Ense. In Bremen – nicht das mit HB – ging es dann hinunter ins Möhnetal. Hier folgten wir auf einem Radweg an der Möhnetalstraße bis zur Sperrmauer. Die Sperrmauer und der See waren regenverhangen, ein Ausflugsboot drehte seine Runden. Spaziergänger trotzten dem Wetter.

Wir fuhren weiter am See entlang, über Körbecke und Delecke. Der Möhnesee ist so groß, dass an an 3 Stellen Brücken oder Dämme über den See führen. Am Ende des Sees radelten wir auf einer ehemaligen Bahntrasse weiter bis zu unserem Hotel Püster in einem kleinen Ort im Möhnetal. Zwischenzeitlich kommt sogar die Sonne raus.

 

Etappe 17 Möhnesee – Bad Lippspringe

Heute war das Wetter viel besser. Schon beim Start schien die Sonne. Die nächsten 15 km radelten wir durchs Möhnetal, meist auf einer ehemaligen Bahntrasse. Daher gab es nur leichte Steigungen.

Dann mussten wir rüber ins Almetal wechseln. Also ging es bergauf. Die Steigung hielt sich aber in Grenzen. Bald waren wir oben und es ging wieder hinab ins Almetal bei Sibbenhausen. Bis Paderborn werden wir dem Almtealradweg folgen. Der Weg ist durchweg gut befahrbar. Es geht vorbei an Büren. In Ahden trennten uns 800 m vom Flughafen Paderborn-Lippstadt, der hier aber weder zu hören noch zu sehen ist.  Bald kehrten wir unterhalb der Wevelsbug in der alten Mühle ein. Der Biergarten liegt direkt an der Alme.

Nach dem Essen ging es weiter durchs Almetal. Kurz vor Paderborn verließen wir das Alemtal. Wir durchquerten Paderborn, über eine ehemalige Bahntrasse erreichten wir dann bald Bad Lippspringe. Das Parkhotel liegt direkt  am Kaiser-Karls-Park, vom Balkon kann man direkt in den Park blicken.

 

Etappe 18 Bad Lippspringe – Hameln

Die letzte Etappe bricht an. Ein wenig Wehmut ist schon dabei, aber auch die Freude nach fast drei Wochen im Sattel wieder nach Hause zu kommen ist groß.

Nach dem Frühstück ging es los. Auf bekannten Wegen. Gleich nach Schlangen kam die Steigung über die Egge. Parallel zur B1 geht es durch den Wald bis auf 320 m Höhe. Danach ging es wieder runter nach Horn und Bad Meinberg. In Bad Meinberg war wie immer wenig los. Geschlossene Cafés und eine leere Fußgängerzone.

Bis Bomberg folgten wir der B1 auf einem separaten Radweg. In der Altstadt von Blomberg, direkt gegenüber dem Rathaus, kehrten wir im Hotel Deutsches Haus ein. Wir folgten nachher wieder der B1, über die Gaffel, eine weitere Steigung, radelten wir nach Barntrup. Von dort ging es fast nur noch bergab. Ab Grießem folgten wir der alten Bahntrasse. Nach 10 km kamen wir an die Weser und waren wieder zuhause.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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