Herbsttour durch Brabant

8. November 2015 | Von | Kategorie: Aktuelles

Dieses Jahr gab es wieder eine größere Herbsttour. Die Anfahrt sollte nicht so weit sein und es sollte doch was Neues sein. Den südlichen Teil der Niederlande hatten wir bisher noch nicht unter den Rädern. Also nahmen wir uns Limburg, Nordbrabant, den nördlichen Bereich von Belgien mit den Provinzen Limburg und Antwerpen und Teile von Gelden vor. Wir waren vom 26.09.2015 bis 02.10.2015 unterwegs. Insgesamt hatten wir 540 Kilometer zurückgelegt.

 

Erster Tag: Venlo – Thorn

Frühes Aufstehen war angesagt: Um 5 Uhr ging der Wecker. Danach noch kurz die Packtaschen packen und dann frühstücken. Es war noch dunkel draußen, als wir um 6:20 Uhr zum Bahnhof starteten.

6:44 Uhr fuhr die S-Bahn nach Paderborn. Der Bahnsteig war noch leer, wir waren die Einzigen. In Paderborn sollte 5 Minuten später unser Anschluss fahren, da es auf dem selben Bahnsteig weiterging, sollte es machbar sein. Als wir ankamen, war kein Zug da, laut Anzeige hatte er 10 Minuten Verspätung, also wird auch der nächste Anschluss in Hamm weg sein.

Mit etwas über 10 Minuten Verspätung ging es dann los, diesmal war der Zug schon voller. Kurz vor Hamm hatten wir dann fast 5 Minuten aufgeholt. Beeilen könnte sich also lohnen. So war es dann auch, wir bekamen den geplanten Anschluss-RegionalExpress mit. Es ging nun quer durchs Ruhrgebiet. Es wurde voller. Dortmund, Bochum, Essen, Mülheim, Duisburg, Krefeld, nach 90 Minuten waren wir in Viersen. Dann noch einmal 20 Minuten im Anschlusszug und wir würden in Venlo sein.

Der Bahnsteig in Viersen war überfüllt mit Menschen. Die Gedanken liefen… Wie weit ist es wenn wir schon von hier mit dem Rad losfuhren? Der Zug kam mit etwas Verspätung. Wir kamen jedoch mit, auch wenn wir mit unseren Rädern in der Mitte es Mehrzweckabteils stehen mussten, da die Sitze mit anderen Fahrgästen belegt waren. Müßige Diskussionen wollten wir nicht führen. Kurz vor 11 Uhr erreichten wir dann Venlo.

Vom Bahnhof aus führte ein großzügiger Radweg direkt auf die andere Maasseite. Hier hatten wir die Großstadt schon hinter uns und es wurde beschaulich. Immer wieder wurde der Blick auf die hier sehr breite Maas frei. In Baarlo gab es in einem Café einen Mittagsimbiss: Stokbrodjes und Wickse Witte.

In Kessel, einem kleinen Ort an der Maas, setzen wir mit der Fähre auf die andere Seite über. Nach 30 Kilometer erreichten wir Roermond. Hier mündet die Rur, die in der Eifel entspringt in die Maas. Durch das gute Wetter war die Stadt voll, genau so wie alles Aussenplätze der Cafés. Wir radelten also weiter. Direkt an der Maas fanden wir dann ein Café, hier gab es noch Platz.

Kurz darauf setzen wir mit der Fähre Biej Ool Euver“ einer Fußgänger und Radfahrerfähre auf die andere Maasseite über. Das Gebiet ist vom Wassersport geprägt. Eine große Marina und Campingplätze sind vorhanden. Vorbei an einem weiteren See fuhren wir Richtung Thorn unserem Ziel. Thorn hat den Beinamen, die weiße Stadt, de Witte Stadje. Fast alle Häuser im Ort sind weiß getüncht. In unserem Hotel Crasborn wurden wir freundlich empfangen. Ein kurzer Stadtrundgang schloss sich an. Vor dem Hotel tranken wir dann noch ein Bier und genossen die letzten Sonnenstrahlen. Zum Abendessen gab es Zoer Fleijs, eine Limburger Spezialität.

 

2. Etappe Thorn – Turnhout

Wieder schien schon bei der Abfahrt die Sonne. Es ist 9:00 Uhr und wir fahren noch einmal die Straßen der weißen Stadt entlang. Noch einige Kilometer radelten wir durch Limburg. Auf einmal andere Ortsschilder: wir sind in Belgien.

Sofort kam uns die erste Gruppe Radrennfahrer entgegen. Das kannten wir ja schon von unserem letzten Belgienurlaub. Die Straßen, ausnahmslos ruhige Nebenstraßen, hatten einen sehr glatten Belag und ließen sich gut fahren. Die Radwege in den Orten und Städten sind von der Art her eine Mischung aus schlechten Deutschen und den niederländischen Radwegen.

In einem Café an einer Kreuzung machten wir die erste Rast. Kurz drauf kamen auch einige Radrennfahrer dazu.

Im Restaurant „Vijf Linden“ in Lommel, machten wir draußen in der Sonne Pause. Es gab Stoovlees mit Pommes Frites. Wie in Belgien üblich, in einer großen Papiertüte in einem Ständer separat serviert.

Auf langen Kanaluferwegen, in Belgien als Jaagpad (Treidelpfad) bezeichnet, radeln wir Richtung Westen, teilweise mit einigem Gegenwind. Am Schluss werden die langen Kanalwege doch recht eintönig. Über eine neugebaute Brücke erreichten wir Turnhout. Durch einen Umzug mussten wir einen anderen Weg nehmen. Bald waren wir aber an unserem Hotel Ter Diezen. Ein historisch eingerichtetes Haus. Selbst das Badezimmer war historisch, leider ohne Dusche. Es schloss sich dann ein Rundgang durch die Stadt an. Der Beginnenhof ist UNESCO-Weltkulturerbe. Unweit befindet sich das Schloss der Herzöge von Brabant. Auf dem Marktplatz gabt es noch ein Bier, die letzten Sonnenstrahlen wärmten noch etwas.

Abendessen gibt es etwas außerhalb im Restaurant Cachet de Circe. Wir hatten einen Tisch reserviert. Das Essen war hervorragend, genau wie in Belgien erwartet. Es gab als Hauptgang Entenbrust, dazu einen Pfälzer Wein aus Deutschland.

 

Etappe 3 Turnhout – Breda

Das Frühstück passte nicht ganz zum Anspruch des Hotels. Gegen 9 Uhr kamen wir los. Ein kurzes Stück folgten wir dem Weg vom Sonntag. Über eine alte Bahntrasse radelten wir nach Norden. Nach fast 10 Kilometern waren wir dann wieder in den Niederlanden. In Baarle Nassau gibt es eine komplizierte Genzbeziehung zu Belgien. Immer wieder gibt es eine Grenze zwischen beiden Ländern, die auf der Straße markiert ist: Wie ein Puzzle. Die Situation geht auf Verträge aus dem Mittelalter zurück.

Durch die Stadt Etten-Leur geht es weiter Richtung Westen. Gegen Mittag erreichten wir den Flughafen Breda International. Bis auf das moderne Flughafengebäude existiert aber nur ein kleines Flugfeld. Auf der gegenüberliegenden Seite gibt es ein schönes Restaurant Cockpit, auf der Terrasse mit Blick auf das Flugfeld aßen wir Mittag. Wir hatten den westlichsten Punkt unserer Reise erreicht.

Mit der Richtungsänderung nach Osten kam auch der Gegenwind. Das schöne Wetter hatten wir dem Ostwind zu verdanken.

In Breda übernachteten wir im Bed and Breakfast an de Slingegracht. Zwei mal sind wir dran vorbei gefahren. Steile Treppen in einem Niederländischen Haus, die Einrichtung ähnlich wie in Turnhout. Das Zimmer hatte aber eine Dusche.

Abendessen gab es in einem Steakhouse am Marktplatz. Danach noch Bier und Jenever vor einer Kneipe unter einem Heizstrahler.

Etappe 4: Breda – s’ Hertogenbosch

Es gab ein sehr gutes Frühstück mit frischem Obst und Gebäck. Kurz vor 9 Uhr waren wir auf den Rädern. Es war noch kalt. Durch eine Dünenlandschaft radelten wir Richtung Westen. Kurz vor Tilburg führte der Radweg entlang des Wilheminakanals. Aber nicht lange, denn der Kanal wurde verbreitert. Daher war die weitere Wegführung gesperrt, es war aber eine Umleitung ausgeschildert. 

Bald waren wir aber wieder auf unserer geplanten Strecke. In den Loonser und Drunenser Dünen kehrten wir im Hotel Landgoed Bosch en Duin ein. Auf der Terrasse in der Sonne gab es Hamburger und Bier. Noch 18 km bis zu unserem Ziel „Den Bosch“, wie der Niederländer s’ Hertogenbosch auch nennt.

Entlang eines Kanals erreichten wir dann die Stadt. Unser Hotel t’ Keershuis liegt mitten in der Altstadt. Hier fahren auch direkt die Rundfahrtboote auf der Binnendieze los. Wir hatten für 15:20 Uhr Plätze im Internet reserviert.

Jedes Boot fasste 16 Personen. In Niederländisch wurde die Entstehung der Binnendieze und die Sehenswürdigkeiten erläutert. Eine nicht alltägliche Grachtenrundfahrt. Es ging durch viele Tunnel. Einmal war es so finster, dass man nichts sehen konnte. Durch den Sand hatte sich die Dieze tief in den Untergrund gegraben. Später wurde sie überbaut.

Danach schloss sich ein Stadtrundgang an. Es fehlte, im Gegensatz zu den bisherigen Städten auf der Tour, eine große Kirche. Auf dem Mark tranken wir etwas und aßen die Speziallität des Ortes: Bosche Bols. Eine Art Windbeutel mit Schokolade glasiert.

Das Abendessen nahmen wir im Hotel ein. Hier gabt es ein angeschlossenes Bistro. Danach noch einen kurzen Stadtbummel. In der „Korte Putstraat“ war noch viel los. Wir tranken Jenever, Kaffee und Bier. Der Jenver wird bis zum Rand eingeschenkt und auf einen kleinen Holzklotz gestellt, damit man leichter abtrinken kann.

 

Etappe 5: s’Hertogenbosch – Zeedam

Nach einem guten Frühstück gab es eine herzliche Verabschiedung durch die Besitzer. Heute waren es es wieder mehr Kilometer. 95 km lagen vor uns.

Noch lange radelten wir durch die Vororte der Stadt. Meist auf separaten Radwegen, diese hatten an vielen Kreuzungen Leiterschleifen im Asphalt, damit die Ampeln für Radfahrer auf grün geschaltet werden konnten.

Später ging es weiter durch Wohngebiete auf gepflasterten Straßen, so dass das Vorankommen nicht mehr so leicht war. In Ravenstein, einer Festungsstadt an der Maas kehrten wir im Veerhuis, direkt an der Maas ein. Wir saßen im Garten in der Sonne. Es gab wieder Hamburger. Leider fuhr die Fähre nicht mehr, so dass wir dem Radweg über die Autobahnbrücken flogen mussten.

Bald erreichten wir die Vororte von Nimwegen. Breite Straßen führten fast bis in die Stadt. Am Bahnhof erreichten wir den Snelbinder, der als Radschnellweg bis nach Arnheim geplant ist. Aufgeständert führt der breite Radweg hoch zur Eisenbahnbrücke über die Waal, dem Hauptmündungsarm des Rheins. Auf der anderen Seite folgten wir dann der Waal meist auf dem Deich. Ein heftiger Gegenwind bremste unsere Fahrt.

An der Rheinfähre nach Pannerden kehrten wir noch einmal ein. Dann ging es mit der Fähre auf die andere Seite. Immer noch auf dem Deich, aber mit weniger Gegenwind. Bald verließen wir den Deich. Am Horizont wurde ein Höhenzug sichtbar. Plötzlich endete der straßenbegleitende Radweg. Wir fuhren auf der Straße, wir waren wieder in Deutschland. Hier in Elten ragt ein schmaler deutscher Streifen in die Niederlande hinein. Durch den Ort und dann ein kurzes Stück bergauf und wir hatten dann wieder Niederländisches Gebiet erreicht.

Durch Wald ging es meist wieder bergab bis zum kleinen Ort Zeedam. Unser Hotel Ruimzicht erreichten wir dann kurz nach 18 Uhr.

Das Abendessen war ausgezeichnet. Wenn das Hotel auch einige „Abnutzungsspuren“ hinter sich hatte, so war die Küche top. Dazu ein herzlicher Service.

 

Etappe 6: Zeedam – Südlohn

Nach Limburg und Brabant ging es nun durch Geldern, dass wir gestern nach Überqueren der Maas erreicht hatten. Die Landschaft ist etwas welliger und das Land ist wesentlich dünner besiedelt.

Es ging zumeist über Pfade durch Wald und Wiesen. Die Wegequalität war zufriedenstellend, oft wassergebundene Decken. In Lichtenvoorde machten wir zu Mittag dann eine Pause. Mitten auf dem Marktplatz gab es wieder Hamburger. Der xte auf dieser Tour, dazu Weizenbier von Grolsch, wir waren nicht weit weg von Groenlo, wo die Brauerei steht.

Nachmittags radelten wir weiter. In Winterwijk machten wir die letzte Pause in den Niederlanden. Entlang der Grenze ging es dann weiter in Richtung Nordosten. Bald überquerten wir die Grenze. Wie schon gestern ein kleiner, wenn auch nicht so großer Schock. Die Wege wurden schlechter, an den Kreuzungen wurden wir wieder zu Fußgängern.

Mitten in Südlohn, direkt an der Kirche war unser Hotel Nagel. Ein kurzer Rundgang durch den Ort schloss sich an.

Abendessen gab es dann im Hotel. Schon vor einem Tag hatten wir beschlossen, die letzten beiden Etappen zusammenzulegen, da am Wochenende zwischen Paderborn und Bad Pyrmont Schienenersatzverkehr war. Am Freitag wären wir flexibler.

Etappe 7: Südlohn – Bochum

Heute eine ganz deutsche Etappe. Aus dem Münsterland in den Pott. Ziel der letzten Etappe ist der Hauptbahnhof von Bochum.

Schon um kurz nach 8 Uhr radelten wir los. Die Sonne ist gerade aufgegangen, es ist kalt. Handschuhe und Goretexkappen helfen etwas. Bald stieg die Sonne aber höher und es wurde wärmer. Wir traten kräftig in die Pedale, denn gegen Mittag wollten wir unser Zwischenziel Westerholt erreichen.

Über ruhige asphaltierte Wirtschafts- und Waldwege erreichten wir die Kreisstadt Borken. Am Bahnhof kauften wir schon mal unser Bahnticket für die Rückfahrt. Weiter ging es dann oft immer wieder entlang der Bahnschienen bis nach Dorsten.

Kurz hinter Dorsten, immer noch an der Bahn, erreichten wir den Moviepark in Gladbeck Feldhausen. Die Parkplätze waren nur halb voll, aber es war ja auch Freitag. Hinter dem Freizeitpark ging es dann Richtung Südosten, weg von der Bahnstrecke. Hier schließt sich der Freizeitpark von Schloss Beck an, der schon existiert so lange ich denken kann.

Bald kamen die Schonsteine des Kraftwerkes Gelsenkichen Scholven in Sicht. Die über 300 m hohen Schonsteine sind schon beeindruckend. Hinter der Stadtgrenze radelten wir direkt am Wasserschloss Lüttinghoff vorbei.

Hinter Gelsenkirchen Hassel erreichten wir dann die Stadtgrenze zu Herten. Bald waren wir in Westerholt, dass auch zu Herten gehört. Alt-Westerholt hat eine schöne Fachwerkaltstadt. Im Hotel Alt Westerholt aßen wir im Biergarten zu Mittag. In der Sonne war es wieder richtig warm.

Gestärkt ging es flott weiter, da der Weg in Richtung Emschertal führte, immer leicht bergab. Durch den Schlosspark von Herten erreichten wir die Resser Mark, wieder in Gelsenkirchen. Über die Emscher, die hier immer noch als Kloake fließt, radelten wir weiter zum Rhein-Herne-Kanal. Über atemberaubende Brücken wie die Grimberger Sichel, die Pfeilerbahn und die Erzbahnschwinge ging es bis zur Jahrhunderthalle in Bochum. Vorher machten wir noch eine Pause am Erzbahnkiosk, mitten im Niemandsland zwischen Bochum, Herne und Gelsenkirchen.

Das letzte Stück bis in die Bochumer Innenstand schwammen wir dann mitten im starken Autoverkehr der Alleestraße. Wenig später waren wir dann am Hauptbahnhof von Bochum.

Die Rückfahrt machte, wie auch die Hinfahrt nicht wirklich Spaß, das Fahrradabteil war, neben anderen Fahrrädern, voll mit Pendlern, die keinen Platz machen wollten. Ab Kamen wurde es dann besser. Gegen 19:30 Uhr waren wir dann wieder zurück in Hameln. 540 Kilometer lagen hinter uns.

 

 

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