Auf den Spuren der Eisenbahn

7. Mai 2015 | Von | Kategorie: Mehrtagestouren

Erster Tag: Paderborn – Hamm

Um 5:30 Uhr ging der Wecker. Die Packtaschen waren zum Teil schon im Keller. Um 7:00 Uhr alles auf die Räder packen und zum Bahnhof. Der Zug fuhr um 7:44 Uhr, um 8:45 Uhr waren wir in Paderborn. Schon unterwegs hatte es zum Teil stark geregnet, auch der Wetterbericht versprach nichts Gutes.

In Paderborn regnete es nicht, also rauf auf die Räder und in Richtung Paderauen. Schloss Neuhaus war schnell erreicht. Es wimmelte dort von Schülern, die das Schloss besichtigten. Vor Dellbrück kamen wir in eine Spargelgegend. Auf den Feldern wurde noch fleißig gearbeitet. Landwirtschaftlich erschlossen wurde das Gebiet erst ab 1853 durch den Bau des Boker Kanal, dem unser Radweg eine Zeit lang folgen wird.

Als Regen aufkam, zogen wir Regenhosen und Jacken an. Wie sooft, hörte sofort danach der Regen wieder auf. Also hatte die Regenbekleidung doch geholfen. Kurz vor Lippstadt stießen wir zum ersten mal auf die Lippe. Durch heftigen Gegenwind kamen wir leider nicht so richtig voran, so dass wir ziemlich spät in Lippstadt waren, wo eine Einkehr vorgesehen war. Die Gaststätte die ich abgesucht hatte, lag an einer vielbefahrenen Straße mit schmalen Gehsteig, so dass ein Abstellen der Räder unmöglich erschien. Also suchten wir weiter und wurden erst nach längerer Zeit fündig.

Auf dem Rückweg zu unserem Radweg, sahen wir uns noch den sehenswerten Marktlatz mit seinem Rathaus an. Weiter radelten wir entlang der Lippe. Die Orte Eickelborn und Hoevestadt folgten. Hinter Lippborg kam das Kraftwerk in Uentrop ins Blickfeld. Wir hatten die ersten Ausläufer des Ruhrgebietes erreicht.

Es ging kurz am Datteln-Hamm-Kanal entlang, dann wieder Richtung Lippe. Bei Schloss Oberwerries, führt die Fähre Lupia über die Lippe. Nein, einen Fährmann gibt es hier nicht. Es ist Handarbeit angesagt. An einer Kette kann die Fähre auf die andere Seite gezogen werden, ein – wie sich herausstellte – anstrengender Spaß.

Auf der anderen Seite erreichten wir bald den Maximilanpark, hier fand 1984 eine Landesgartenschau auf dem ehemaligen Gelände der Zeche Maximilian statt. Bald erreichten wir unsere Hotel Alte Mark, das idyllisch an einem Kirchplatz liegt, nach 94 km waren wir ziemlich erschöpft.

 

Wetter: einzelne Schauer 13 Grad

Strecke: Römer Lippe Route, überwiegend asphaltierte Feldwege, ruhige Nebenstraßen, Radwege neben Landstraßen, Kanaluferwege

 

Zweiter Tag: Hamm – Haltern

Es war eine ruhig Nacht. Um 7:30 Uhr ging es zum Frühstück. Wir waren allerdings nicht die ersten. 8:30 Uhr fuhren wir los. Nach kurzer Zeit erreichten wir den Dattel-Hamm-Kanal, Industrie-Kulisse pur. Entlang von Lippe und Kanal radelten wir weiter nach Westen.

Spektakulär waren die Gegensätze zwischen Natur und Industriekulisse: Kraftwerk und Naturschutzgebiet. In Rünthe wurde es maritim: Am Kanal war ein großer Yachthafen mit Strandbar. Kurz vor Oberaden radelten wir an der Bergehalde Großes Holz vorbei. Die weite Aussicht, die die Halde von oben bietet, konnten wir von hier nicht ahnen. Einen Aufstieg haben wir uns aber mit Rädern und Gepäck erspart. Entlang von Kanal und Lippe erreichten wir Lünen. Wegen des Feiertages hatten alle Restaurants, die wir gesehen hatten, geschlossen.

Also fuhren wir weiter, in ungefähr 15 km würden wir den Ort Bork erreichen. Wegen des ersten Mai waren mittlerweile Massen von Jugendlichen unterwegs, mit Bollerwagen, ja sogar mit fahrbaren Theken. Viel Alkohol war dabei. Nicht immer war es einfach, vorbeizukommen und auch nicht immer lustig, wenn die grölenden Truppen den Weg für sich alleine beanspruchen wollten. Mit der Entfernung zu den Städten nahm ihre Zahl wieder ab.

Der weitere Weg wurde von Kraftwerken bestimmt. In Bork fanden wir dann eine Pizzeria, mehr Lieferservice als Restaurant. Wir wurden immerhin satt. Weiter ging es durch münsterländische Parklandschaft. Meist immer mit Ausblick auf Industrie in der Ferne. Hinter Ahsen folgten wir ein längeres Stück dem Wesel-Datteln-Kanal.

Nach Verlassen des Kanaluferweges ging es entlang der Westruper Heide zum Halterner Stausee. Spätestens am Seehof, mit seinem großen Parkplatz wurde es wieder heftig. Bollerwagen an Bollerwagen mit Diskomusik drauf, Jugendliche mit Flaschen in der Hand, alle voller Alkohol. Unser Klingeln nahm vor Bassgeräuschen niemand mehr war. Einen Zusammenstoß mit einer noch wandelnden „Schnappsleiche“ konnte ich durch lautes „Vorsicht“ schreien in das Ohr derselben noch verhindern. Knapp vor dem Stauwehr wichen wir genervt auf den Radweg der Bundesstraße aus. Kurz vor der Innenstadt ging es wieder zurück auf unseren Weg. Am Markt war es fast Idyllisch, jedenfalls gab es hier keine „erste Mai Wanderer“. Die kamen erst später, aber nicht so zahlreich.

Nachdem wir unser Zimmer im Ratshotel bekommen hatten, machten wir noch einen kurzen Bummel durch die Altstadt und tranken etwas gegen den Durst. Das Abendessen im Hotel war ausgezeichnet.

Leider war die Nacht unruhig, die Lüftung einer Kühlung machte regelmäßig Krach.

 

Wetter: Heiter bis wolkig 16 Grad

Strecke: Römer Lippe Route, überwiegend asphaltierte Feldwege, ruhige Nebenstraßen, Radwege neben Landstraßen, Kanaluferwege

 

Dritter Tag: Wülfrath – Hattingen

Die heutige Etappe begann am Bahnhof Haltern. 8:33 Uhr fuhren wir mit der S-Bahn nach Wülfrath-Apprath. Eine Stunde und zwanzig Minuten Bahnfahrt lagen vor uns. Die S-Bahn durchquerte das gesamte Ruhrgebiet von Nord nach Süd: Marl, Gelsenkirchen-Buer, Gladbeck, Bottrop, Essen. Von Station zu Station wurde es voller. In Essen Hbf wurde der Zug wieder leerer. Kurz hinter dem Wallfahrtsort Neviges in Wülfrath-Aprath stiegen wir aus.

Von Apprath radelten wir erst einmal leicht bergauf und erreichten nach einer Viertelstunde den „Panoramaradweg Niederbergbahn“, den wir bis Essen-Kettwig nutzen werden. Am Anfang eher unspektakulär, dann aber hinter Velbert wurde es interessant. Wir überquerten zahlreiche Brücken der alten Bahnstrecke und kamen an ehemaligen Bahnhöfen unter anderem „Velbert Hbf“ vorbei, die heute zu Gaststätten umgebaut sind.

Die höchste Brücke war mit 40 m die Saubrücke, die wegen vieler Selbstmörder in der Vergangenheit hoch abgesperrt ist. Auf der Brücke merkt man die Höhe kaum, aber das Bild der Brücke vom Tal aus ist atemberaubend, es folgte noch eine weitere Brücke. Von Velbert bis in Ruhrtal ging es immer leicht bergab. In Kettwig erreichten wir das Rurtal und radelten entlang der Ruhr auf dem Ruhrtalradweg weiter. Am Staadt kehrten wir in der Gaststätte 12 Apostel ein. Draußen in der Sonne gab es Bier und Grillteller.

Nachmittag führte uns unser Weg am Nordufer des Baldeneysees entlang. Auf einmal trafen wir auf riesige Mückenschwärme, die auch die Sonne und die feuchte Luft des Sees mochten. Die meiste Zeit führte der Weg über eine ehemalige Bahntrasse, weiter weg vom Seeufer. Der Weg am Südufer (Verlauf des Ruhrtalradweges) wäre attraktiver gewesen.

In Steele wechselten wir die Ruhrseite. Hier ist das Ruhrtal besonders schön. An der Schwimmbrücke in Bochum Dahlhausen kehrten wir nochmal ein.

Kurz vor Hattingen verließen wir den Ruhrtalradweg und wechselten auf die Kohlenbahn, die von Hattingen nach Wuppertal führte. Gleich am Anfang ging es durch den Schulenbergtunnel. Dann immer leicht bergauf bis wir den Radweg verließen. Noch einmal bergauf und bergab und wieder bergauf, also typisch Niederbergisch, erreichten wir dann nach 2 km unser Hotel Zum Hackstück. Hier war eine große Hochzeitgesellschaft.

Trotz Hochzeitsgesellschaft war die Nacht richtig ruhig.

Wetter: 17 Grad heiter

Strecke: S-Bahn S9 Haltern am See bis Wülfrath-Apprath, Panoramaradweg Niederbergbahn, Ruhrtalradweg, Kohlenbahntrasse (Bergischer Panormaradweg). Bahntrassen größtenteils asphaltiert, asphaltierte Uferwege

 

Vierter Tag: Hattingen – Wipperfürth

Der Wetterbericht hatte Regen angesagt. Jedenfalls ab Mittag. Als wir um 8:40 Uhr losfuhren schien die Sonne. Es war nicht mehr so kalt wie die letzten Tage. Ein kurzes Stück bergauf, wieder bergauf und nochmals kurz bergab und wir waren wieder auf der Kohlenbahntrasse. Blühende Bäume und blühender Löwenzahn begleiten den Weg. Rechts und links das lag das hügelige Bergische Land. Es waren noch wenige Leute unterwegs. Bis zum ehemaligen Bahnhof Schee ging es leicht bergauf.

Hinter dem Bahnhof kamen wir auf einen Trassenabschnitt, der erst Ende letzten Jahres fertiggestellt wurde. Neuer glatter Asphalt bestimmt den Weg. Kurz drauf wurde es kalt und dunkel, wir hatten den Scheetunnel erreicht. Spärlich beleuchtet ging es in den Berg. Am anderen Ende war die Sonne weg, es wurde zunehmend bewölkt.

In einer großen Schleife radelten wir Richtung Wuppertaler Nordbahn. In Backede war noch eine Brücke in Bau, so dass wir eine kurze Umleitung fahren mussten.

Dann hatten wir aber wieder die Trasse erreicht, die bis kurz vor Wuppertal Wichlinghausen führte. Teils durch tiefe Einschnitte. Dann ging es kurz über Straßen und eine neue sehr eintönige Doppelhaussiedlung zum Bahnhof Wichlinghausen. Bahnsteige und Dächer waren noch vorhanden, wir fuhren wie einst die Züge direkt an der Bahnsteigkante vorbei.

Die Nordbahntrasse verläuft durch ganz Wuppertal nördlich des Tales. Über Brücken und durch Tunnel geht es durch dicht bebautes Gebiet. Die Dächer der Häuser sind fast zum Greifen nah.

Unzählige Radler, Roller und Fußgänger waren unterwegs. Die Trasse ist aber so breit, dass es nichts ausmachte. Bis Wuppertal-Vohwinkel radelten wir auf der Trasse. Dort stießen wir auch auf die Schwebebahn, dem Wahrzeichen Wuppertals. Nun kam ein neuer Verbindungsweg zum Zuge, der die Nordbahntrasse mit der Korkenziehertrasse verbindet.

Die Korkenziehertrasse verbindet Wuppertal-Vohwinkel mit Solingen. In weiten Kurven geht es bergauf. Oben in Solingen kurz hinter dem Schlagbaumtunnel verlassen wir die Trasse und fahren teilweise steil bergauf in Richtung Müngstener Brücke. Zuletzt folgten wir der Bergbahntrasse, eine frühere Strecke der Barmer Bergbahn, die teilweise als Straßenbahn bedient wurde. Im Tal gelangten wir zum Brückenpark Müngsten. Mit Blick auf die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands machten wir Mittag. Nach dem Essen sollte ein weiterer Höhepunkt folgen. Die Seilschwebefähre Müngsten. Vom Radführer und den bergischen Tourismusagenturen als das Erlebnis der Tour angepriesen, sollte sich als Flopp entpuppen. Auf der Internetseite stand zwar, dass bei anhaltend schlechtem Wetter nicht gefahren wird, aber das betrifft uns ja nicht, es ist ja trocken.

Die Wahrheit sah anders aus, die Fähre war außer Betrieb, daher ist der Bergische-Panoramaradweg nicht fahrbar. Eine Alternative war nicht ausgeschildert. Ein Anruf bei der angeschlagenen Telefonnummer: Bandansage, die Fähre fährt nicht! „Schloss Burg über Felsentreppen“ stand auf einem Wanderwegweiser. Der ADFC-empfohlene Radführer lies uns alleine und gab auch keine Alternative an. Die es auch nicht zu geben schien. Das lässt also nichts Gutes ahnen. Also los, die Räder erst einmal bergaufschieben. Hoch über der Wupper mit Tiefblick führte der Weg weiter, dann kamen die Felsentreppen. Steil und ausgetreten, mit schwerem Gepäck und Rädern nicht ganz einfach. Aber doch zu bewältigen. Wäre jemand von den Autoren mal vor Ort gewesen, hätte man die Alternative nennen können.

Nach 30 Minuten waren wir wieder auf unserem geplanten Weg. Bald trafen wir in Burg an der Wupper ein. Schiefergetäfelte Häuser bestimmten das Bild. Viele Gaststätten, hatten schon seit langem geschlossen. Hinter Unterburg quälten wir uns die steile Straße nach Oberburg hinauf. Die Seilbahn war für unsere Räder mit Gepäck keine Alternative. Obern ein kurzer Rundgang und dann Bergische Waffeln in einem Café, hier war die Zeit stehengeblieben. Es sah wohl auch schon in den 60er Jahren so aus. Nach der Einkehr noch einmal steil bis Wermelskirchen. Zwischenzeitlich fing es an zur regnen. Der Regen wurde immer stärker. In Wermelskirchen sollten wir wieder auf eine Bahntrasse stoßen. Bis dahin müssten wir jedoch durch den Ort mit viel Verkehr.

Dann aber waren wir wieder auf einer Bahntrasse, jetzt die Balkantrasse, die von Leverkusen nach Remscheid-Lennep führt. In Bergisch Born zweigt eine weiter Trasse nach Süden ab. Dieser folgen wir nun. Der Regen hört nicht auf. In schneller Fahrt folgt Hückeswagen, auch bis Wipperfürth ist es nicht mehr weit. Von der Bahntrasse bis zu unserem Hotel Landgasthof Tönnes sind es nochmals 2 km. Wir wurden vom Wirt herzlich begrüßt. Später zum Abendessen gab es Spargel, den bisher besten der Tour.

 

Wetter: 16 Grad bedeckt, später Regen

Strecke: Kohlenbahntrasse, Nordbahntrasse, Korkenziehertrasse, Bergbahntrasse, Wanderweg Felsenweg, Balkantrasse, Alleenradweg Wasserquintett, Verbindungswege. 70 % Asphalt, Rest wassergebunden. Treppen!

 

 

Fünfter Tag: Wipperfürth – Olpe

Diesmal ging es später los… Denn es liegen nur 50 km vor uns. Aber die sollten es in sich haben!

Nach einer herzlichen Verabschiedung durch Herrn Tönnes ging es um 9:20 Uhr los. Zurück ins Tal der Wupper, wo wir wieder auf unseren Bahnradweg stießen. Bis Marienheide folgten wir für 15 km der alten Bahntrasse, wieder ging es auch durch einen Tunnel.

In Marienheide verließen wir die Trasse und radelten an der Bundesstraße hinauf bis zur Bruchertalsperre. Über wenig befahrene Straßen ging es oberhalb der Genkeltalsperre mit weitem Blick bis Unnenberg. Ab hier mit 14 % Gefälle hinab zur Aggertalsperre. Bis zur Sperrmauer folgten wir der Talstrasse. Im Restaurant Sinthorn direkt an der Sperrmauer kehrten wir ein. Thailändische Küche: Es gab Curry als Mittagstisch, die Getränke waren aber teuer.

Dann radelten wir über die Sperrmauer und genossen den „Krombacher Blick“ aus der Fernsehwerbung. Am anderen Ufer ging es über unbefestigte Wege entlang der Aggertalsperre.

Hinter Prenze sollte der Wegeringhauser Tunnel kommen. Der BVA ADFC-Radausflugführer beschrieb die Strecke wie folgt: „Nach Durchfahrt Viadukt, sofort rechts und rechts auf die Bahntrasse“. Diesen Weg gab es jedoch nicht. Hier hat wohl jemand die Tour getreu dem Motto „Blicke in den Atlas und berichte“ verfasst. Für einen Radführer, der zudem noch vom ADFC empfohlen wird, ein „no go“. Auf die Stellungnahme vom Verlag und ADFC bin ich gespannt.

Wir mussten dann steil bergauf in den Wald und auf schlechten Wegen hinab zur Bahntrasse, dann kam der mit 689 m längste Tunnel unserer Reise. Es war kalt, spärliche Beleuchtung sorgte für die Orientierung.

Auf der Trasse radelten wir weiter nach Drohlshagen. Im Ort ging es über Strassen. Hinter Drohlshagen erreichten wir wieder die Trasse, die anschließende Fahrt über ein Viadukt gab es auch wieder nur in den Köpfen der Autoren. Aber die letzten vier Kilometer hatte der Radreiseführer recht.

Schnell waren wir dann auch in Olpe. Wir hatten in Kochs Hotel gebucht. Unser Zimmer war in einem alten Bahnhof auf der anderen Seite der Bigge. Vor dem Abendessen blieb noch Zeit für einen ausgiebigen Stadtbummel.

 

Wetter: 17 Grad heiter bis wolkig

Strecke: Bahntrasse bis Marienheide, ruhige Nebenstraßen, Weg entlang der Aggertalsperre nicht asphaltiert. straßenbegleitende Radwege, Steile nicht asphaltierte Auffahrt zur Bahntrasse und Tunnel.

 

 

Sechster Tag: Olpe – Meschede

Auf dem Weg zum Frühstück ins Nachbarhaus regnete es schon. Der aufgehängte Wetterbericht im Hotel lässt nichts Gutes ahnen: 75 % Regenwahrscheinlichkeit. Meine Wetterapp hatte aber besseres Wetter, also nehmen wir diese!

Olpe ist sehr verkehrsreich mit viel Durchgangsverkehr. Es war Tag der Müllabfuhr, also standen alle Mülltonnen auf dem schmalen Radweg. Die Stadt hatten wir jedoch nach wenigen Minuten hinter uns gelassen. Unsere Radweg begleitete den Biggesee, eine der größten Talsperren Nordrhein-Westfalens. Der Weg führte in einiger Höhe entlang des Sees immer auf und ab. Oft gab es schöne Blicke auf den Stausee. Vom Damm des Sees, ging es dann bergab, teilweise in Serpentinen, bis nach Attendorn. Wir folgten dann weiter der Bigge, immer noch stetig bergauf und bergab.

Nächster Etappenort war Finnentrop. Im Werksverkauf von Metten aßen wir Schnitzel. Currywurst und Dicke Sauerländer Bockwurst. Der Werksverkauf war gut besucht, Viele aus dem Industriegebiet machten hier Mittagspause. Nach dem Essen schien die Sonne, also Regensachen aus und weiter in kurzer Hose und Shirt. Es wurde warm.

Hinter Finnentrop gelangten wir wieder auf eine Bahntrasse, die bis auf über 400 Meter Höhe aufwärts führt. Sie ist Teil des Sauerländer Radringes, Landschaftlich ein Traum. Auf dem Scheitel der Strecke befindet sich der Fledermaustunnel. Der Tunnel war kalt. Danach ging es bergab bis Eslohe. Im Forellenhof Poggel in Eslohe gab es Bier gegen den Durst. Trotz Mittagspause hatten wir etwas bekommen. Und auch einen guten Tip, dass die offiziell gesperrte Trasse der Nordschleife des Radringes wohl doch befahrbar ist. Die Barken waren beiseite geräumt und uns kamen auch einiger Radfahrer entgegen. Also weiter, nach einigen Kilometern trafen wir auf Bautrupps aus Pirna, die die Felswände mit Draht befestigten.

Freundlicher Gruß und es ging weiter.

In Wennemen konnten wir die ausgeschlagene Pedalen von einem Fahrrad direkt am Weg auswechseln lassen. Der freundliche Mann hatte sich auf den Service direkt am Radweg spezialisiert. Schnell konnten wir weiterfahren. Entlang der Bundesstraße fuhren wir mit 45 km/h Richtung Meschede, das wir dann schnell erreicht hatten.

Wir übernachten im Hotel von Korff direkt am Bahnhof. Meschede ist die Kreisstadt des Hochsauerlandkreises. Die Innenstadt hat wenig sehenswertes zu bieten. Nur der Henne-Boulevard hat das gewisse Etwas: ein Fluss mitten durch die Stadt.

Gutes Abendessen gab es im Hotel.

 

Wetter: 21 Grad, morgens Regen, ab mittags sonnig

Strecke: Uferweg Biggesee, Radweg an der Bigge teilweise unbefestigt, Bahnradweg zwischen Finnentrop und Meschede.

 

Siebter Tag: Meschede – Paderborn

Bereits um 8 Uhr radelten wir los. Es lagen fast 90 km vor uns. Durch den Lokführerstreik mussten wir die S-Bahn um 17:15 Uhr mitbekommen, da die Nächste erst um 21:15 Uhr fahren würde.

Also rauf aufs Rad, die ersten Kilometer bis Bestwig folgten wir dem Ruhrtalradweg, die ersten Steigungen gab es auch hier bereits. Der Weg bot immer eine schöne Aussicht ins Ruhrtal. Ab Bestwig ging es über Nebenstraßen auf die 500 m hohe Briloner Hochfläche. Die bisher stärkste Steigung der Tour. Kurz vor Brilon ging es nochmal steil bergauf. Wir hatten es, was die Steigungen betraf nun erst einmal geschafft. Auf dem jetzt folgenden Almeradweg hielten sich die Steigungen in Grenzen. Es ging überwiegend bergab.

Auf dem Markt in Brilon machten wir noch eine kurze Pause. Dann radelten wir bergab und kurz wieder bergauf, dann hinunter in den Ort Alme. Hier hat der gleichnamige Fluss seine Quelle. Wir folgten einige Kilometer der Almetalstraße immer leicht bergab. Danach ging es über Waldwege entlang der Almetalbahn. Erst ab Sibbenhausen wurden die Wege besser. Fast immer Asphalt oder glatte wassergebundene Wege.

In Büren kehrten wir in einem griechischen Restaurant Sorbas direkt am Markt, etwas abseits, oberhalb vom Radweg ein. Weiter ging es auf dem Almeradweg flussabwärts. Auf einmal tauchte die Wewelsburg über dem Tal auf. In der Alten Mühle unterhalb der Burg gab es noch einmal eine Erfrischung.

Es ging ein letztes Mal bergauf. Dann weiter im Flusstal. Gegen 16:45 Uhr waren wir am Hauptbahnhof in Paderborn. 536 Kilometer lagen hinter uns.

Wetter: Heiter 15 Grad

Strecke: Ruhrtalradweg asphaltiert, Nebenstraßen, asphaltierte Feldwege, Almeradweg

 

 

 

Fazit

 

Wirklich mal was neues. Die Bahntrassen wurden zum Teil erst im letzten Jahr fertiggestellt. Die Planung war daher nicht ganz einfach, da es teilweise noch kein aktuelles Kartenmaterial gibt. Daher hatte ich für die Bahntrassen auf die neuen BVA Radausflugführer Bergische Bahntrassen und Sauerland gefreut.

Leider stellte sich heraus, dass diese auf den von mir gefahrenen Routen Fehler aufwiesen. Unwillkürlich wurde ich an den Erdkundeunterricht in der Realschule erinnert: Es gab im Buch nach jedem Kapitel die Rubrik „Blicke in den Atlas und berichte“. Nach Aussage von Verlag und Autor sollte die Strecke im Juni 2015 festgestellt sein, aufgrund von Fauna und Flora konnte dies aber nicht verwirklicht werden.

Als Orientierung und Überblick sind die Radreiseführer aber brauchbar.

 

Ansonsten eine schöne, wenn auch anspruchsvolle Tour: 3600 m Aufstieg waren zu überwinden. Dafür entschädigte die abwechslungsreiche Landschaft von Bergischen und Sauerland.

 

Literatur

 

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Ein Kommentar auf "Auf den Spuren der Eisenbahn"

  1. Bernhard Lubeley sagt:

    Am 5. Tag kritisierten Sie zu Recht, dass das Teilstück Pernze bis Wegeringhauser Tunnel nicht ausgebaut ist. Ursprünglich sollte das Teilstück des Bahntrassenweges Mitte 2015 fertiggestellt sein. Nach redaktionsschluß des Tourenbuches wurde bekannt, dass es ein naturschutzrechtliches Problem gab. Seit September 2015 ist das Problem aus der Welt, so dass gebaut werden kann. Zu Beginn der Radsaison 2016 sollte die Befahrung möglich sein.
    Bernhard Lubeley, Autor Tourenbuch Alte Bahntrassen im Sauerland

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